Frankreichs Wirtschaft trägt Trauer
Edouard Michelin tödlich verunglückt

Sein Hobby wurde ihm zum Verhängnis. Beim Angeln auf hoher See vor der bretonischen Küste ist der Co-Chef des weltgrößten Reifenherstellers Michelin, Edouard Michelin, am vergangenen Freitag ertrunken. Der Tod des 42-jährigen sechsfachen Vaters treibt den Konzern in eine Führungskrise, war Edouard Michelin doch der letzte Spross der Unternehmerfamilie, der derzeit für eine Führungsposition geeignet schien.

DÜSSELDORF. Zwar wird der Konzern von Michelins Co-Chef Michel Rollier weitergeführt. Traditionell besetzte die Familie jedoch stets einen Chefposten selber. Diesem Prinzip musste sich schon der heutige Renault-Chef Carlos Ghosn beugen, als Patriarch François Michelin 1996 statt seiner den jungen Edouard zum Geschäftsführer der Groupe Michelin machte. Als Kommanditgesellschaft auf Aktien bleibt Michelin vor feindlichen Übernahmen allerdings gefeit.

Ein Nachfolger aus der Familie für Edouard Michelin ist jedoch nicht in Sicht. Nur eines seiner fünf Geschwister arbeitet im Konzern – aber, wie es heißt, ohne Führungsambitionen. Dass der 79-jährige François Michelin ins operative Geschäft zurückkehrt, gilt zudem als ausgeschlossen. Die sechs Kinder Edouard Michelins sind noch zu jung.

Co-Chef Rollier gehört allerdings fast zur Michelin-Familie. Schon sein Vater hatte François Michelin als Co-Chef gedient – von 1966 bis 1991. Michel Rollier kam 1999 als Finanzchef zu Michelin, ehe er vor einem Jahr dem Konzernerben Edouard als Co-Chef zur Seite gestellt wurde.

Zwei Jahrzehnte lang hatte sich Edouard Michelin auf die Konzernführung vorbereitet. Treu der Familientradition hatte er seine Michelin-Karriere mit 22 Jahren am Band begonnen. 21 verschiedene Positionen bekleidete er im Konzern, ehe er 1999 in die Geschäftsführung aufrückte. 2005 erzielte Michelin mit 130 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro und verdiente netto 889 Millionen Euro. Der 1832 gegründete Konzern mit Sitz in Clermont-Ferrand beherrscht 20 Prozent des Welt-Reifenmarktes.

Präsident Jacques Chirac sagte, Frankreichs Wirtschaft trage Trauer. Renault-Chef Ghosn sprach von „einem großen Verlust für die Automobilindustrie“. Beim Formel-1-Rennen in Monaco trugen die Teams Trauer, die mit Michelin-Reifen fahren. Michelin war erst 2001 wieder in die Formel 1 zurückgekehrt.

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