Franz Humer hat den Pharmakonzern Roche wieder auf Vordermann gebracht
Diagnose: Machtmensch

Franz Humer hat den Schweizer Pharmakonzern Roche wieder auf Vordermann gebracht. Sein jüngster Coup: Er verkauft den Geschäftsbereich rezeptfreier Medikamente an Bayer. Damit sitzt Roche nun auf keinem Bereich mehr, der den Höhenflug des Unternehmens bremsen könnte.

BASEL. Gestern war wieder so ein Tag. Franz Humer hatte die Presse in die vom Charme des Wiederaufbaus geprägte Konzernzentrale des Pharmariesen Roche in Basel eingeladen. Hier, wo es immer eine Spur bedächtiger zuzugehen scheint als nebenan beim Erzkonkurrenten Novartis, inszeniert er seinen Auftritt:

Das Mikrofon hinter der Krawatte versteckt, den dunkelblauen Anzug lässig geöffnet, das graue Haar penibel nach hinten gekämmt, über die schmale Lesebrille blickend, spricht er ganz sachlich, wobei er seinen österreichischen Akzent auch bei Ausflügen ins Englische kaum verbirgt, von Medikamenten, Milestones und Millionen. Er könnte als freundlicher Hochschulprofessor durchgehen, der eine Vorlesung hält, oder als harmloser Wirtschaftsweiser, der der Bundesregierung erklärt, was sie zu tun hat.

Doch dann glitzert der monumentale, blaue Stein an seinem Ringfinger kurz im Sonnenlicht auf und konkurriert mit dem wässrigen Blau seiner Augen, mit denen er die Zuschauer fixiert. Die Mundwinkel schaffen es allenfalls bis in die Waagerechte, aber niemals bis ganz nach oben. Schnell wird klar: Hier steht kein Mann, der Geschichten erzählt, der sich in Theorien ergeht, der sich nur selbst gern reden hört.

Der 58 Jahre alte Roche-Chef ist ein Machtmensch, der sich Mühe gibt, seinen harten Kern in einer jovialen Schale zu verstecken. „Übers Wetter braucht sich niemand mit ihm zu unterhalten“, sagt ein Mitarbeiter. Humer bevorzugt es, ohne Umschweife auf den Punkt zu kommen. „Die Roche-Töchter“, sagt ein Analyst, „führt er an einer straffen Leine.“

Der gebürtige Österreicher und gelernte Schweizer, der promovierte Jurist und gestandene Pharmamanager hat sich durchgebissen. Weil er die schlechten Jahre kennt, weiß er die besseren zu genießen. Als er 1995 das Rennen um den Chefposten beim britischen Arzneimittelhersteller Glaxo verliert, heuert er bei Roche an. Seine Ambitionen sind klar, doch sein Weg ist steinig.

Mehr als andere Manager in der Schweiz muss sich Humer bei Roche gegen zwei Überväter durchsetzen: Konzernchef Fritz Gerber und Finanzchef Henri Meier haben das Pharmaunternehmen zum Schweizer Börsenstar emporgehoben. Die Anleger feiern sie wie Jünger ihren Meister. Doch Humer robbt sich an die Macht, bildet zunächst eine Doppelspitze mit Gerber, der den Neuen gern als seinen Ziehsohn bezeichnet, bis der ihn 2001 ablöst. Der Moment ist ungünstig gewählt. Roches Glanz verblasst wie die Hausse an der Börse. Die Pipeline ist lange nicht so gut gefüllt wie beim Konkurrenten Novartis. Der Pharmabereich wächst unterdurchschnittlich.

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