Franz Markus Haniel drängt an Spitze des Aufsichtsrats
Steiniger Weg an die Spitze

Franz Markus Haniel drängt beim Handelsriesen an die Spitze des Aufsichtsrats. Doch einige Mitglieder des Gremiums drohen mit Rücktritt. Kompromisskandidat könnte am Ende ein Mann sein, der bislang überhaupt noch nicht diskutiert wurde.

DÜSSELDORF. Er sei ein „moderner Traditionalist“, philosophierte Franz Markus Haniel noch vor vier Monaten in seinem Münchener Büro. Er wisse um die Vorzüge von Traditionen, aber auch, „dass Traditionen, dass Regeln und Regelwerke der Zeit angepasst werden müssen“.

Seit wenigen Tagen arbeitet der 52-jährige Spross des Duisburger Industriellenclans Haniel selbst daran, veraltete Traditionen der Zeit anzupassen. Diesmal geht es um nicht weniger als die Kontrolle über den weltweit drittgrößten Handelskonzern: die Düsseldorfer Metro.

Den macht sich das Oberhaupt der 251 Jahre alten Familiendynastie nun in kurz aufeinanderfolgenden Schritten Untertan. Am 31. August erst übernahm sein Mischkonzern gemeinsam mit den Duisburger Metro-Gründern Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck die knappe Aktienmehrheit des Dax-Konzerns in der rheinischen Nachbarstadt. Gut zwei Wochen später wechselte Haniel dort den Vorstandschef aus. Der neue kommt aus den eigenen Reihen: Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes, 56, wird Ende Oktober den langjährigen Metro-Lenker Hans-Joachim Körber, 61, ablösen.

Doch all dies ist Franz Markus Haniel, der in der Konzernzentrale angeblich nie ohne Krawatte des Pariser Modehauses Hermès gesichtet wird, nicht genug. Der Clanchef beansprucht nun auch noch den Vorsitz in Metros Aufsichtsrat. Das erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen ebenso wie im Düsseldorfer Unternehmen selbst. Sein neuester Vorstoß allerdings stößt gleich bei mehreren amtierenden Aufsichtsräten des Handelsriesen auf scharfe Kritik. Einige von ihnen hätten für diesen Fall sogar ihren Rücktritt angekündigt, heißt es. Die Befürchtung: Käme es zu diesem Schritt, wäre Franz Markus Haniel nicht nur Cordes’ Chefkontrolleur bei der Metro, sondern gleichzeitig auch dessen oberster Dienstherr bei Haniel. Dort nämlich bleibt der designierte Metro-Chef weiterhin Vorstandsvorsitzender.

Die Doppelrolle Haniels halten mehrere Metro-Aufsichtsräte für bedenklich, darunter auch Vertreter der Arbeitnehmerseite. Von der Hand zu weisen sind die Zweifel nicht. Käme es, wie Konzernbeobachter vermuten, zu einem Teilverkauf der Metro, könnte sich Haniel am Ende das übriggebliebene Cash-&-Carry-Geschäft selbst einverleiben. In einem solchen Fall befände sich Franz Markus Haniel als Metro-Aufsichtsratschef in einem schweren Interessenkonflikt. Hinzu kommt: Da Franz Markus Haniel dem Metro-Aufsichtsrat bislang nicht angehört, müsste eine Berufung in dieses Amt per Gerichtsbeschluss erfolgen.

Seite 1:

Steiniger Weg an die Spitze

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%