Franz Pinkl
Der Sanierer vom Wörthersee

Klagenfurt ist eigentlich ein schönes Städtchen. Wunderbar am Wörthersee gelegen und umgeben von Alpengipfeln bietet die Hauptstadt von Kärnten einen hohen Freizeitwert. Doch Franz Pinkl sieht davon nicht viel. „Vor uns liegt noch viel Arbeit“, sagt der frischgebackene Chef der BayernLB-Tochter Hypo-Group Alpe Adria (HGAA).

WIEN. Das Hauptquartier der Kärntner Bank an einer Ausfallstraße Richtung Autobahn trifft dann schon eher die Stimmung im Unternehmen: grauer Stahlbeton, kühle Glasfassaden. Der Wörthersee liegt weit weg, vielleicht ist das auch besser so. Wer wie Franz Pinkl zwölf Stunden und länger im Büro sitzen muss, wird besser nicht von der Landschaft abgelenkt.

Am 1. Juni hat Pinkl sein neues Amt in der HGAA-Zentrale angetreten. Für das schlechte Bank-Ergebnis der ersten sechs Monate kann man ihn am allerwenigsten verantwortlich machen. Trotzdem muss der Neue die wenig erfreulichen Zahlen präsentieren. Im ersten Halbjahr hat die BayernLB-Tochter einen Verlust von 162 Millionen Euro geschrieben. Vor einem Jahr hatte es zwar auch schon rote Zahlen gegeben, das Minus sah mit 61 Millionen Euro allerdings deutlich freundlicher aus.

Die Kärntner hatten große Träume. Aus der österreichischen Provinz heraus wollten sie den Namen der Hypo Group weit hinein nach Osteuropa tragen. Das frühere Jugoslawien ist von Klagenfurt nicht weit, deshalb hat sich die Bank vor allem in Kroatien und Serbien festgesetzt. Anfangs liefen die Geschäfte gut, doch inzwischen hat die Krise auch den Balkan fest im Griff. Für den hohen Verlust im ersten Halbjahr sind vor allem zusätzliche Kreditvorsorgen verantwortlich: 349 Millionen Euro machen jeden guten Ansatz im operativen Geschäft zunichte. Vor Jahresfrist mussten für säumige Kreditkunden gerade einmal 190 Millionen Euro zurückgestellt werden.

Was die BayernLB von ihrem neuen Statthalter in Klagenfurt erwartet, liegt auf der Hand: Kosten drücken, sanieren, sparen. Ein erstes Programm zum Arbeitsplatzabbau läuft bereits, in den nächsten Jahren sollen 2 000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Und am liebsten würde die Mutter in München unrentable Hypo-Töchter in Südosteuropa loswerden. Doch das bleibt ein frommer Wunsch, weil sich dafür in Krisenzeiten kein Käufer findet.

Vielleicht gelingt es Franz Pinkl, die Klagenfurter Bank wieder etwas flotter zu machen. Der 53-Jährige bringt dafür nicht die schlechtesten Voraussetzungen mit. Von Hause ist er ein Mann der Volksbanken, lange 36 Jahre hat er für die Bankengruppe in Österreich gearbeitet und es bis zum Vorstandschef gebracht. Doch im Frühjahr kam es zum Zerwürfnis mit seinen Kollegen: Pinkl wirft hin und wechselt von Wien nach Klagenfurt.

Vor ihm liegen keine angenehmen Jahre, die Hypo wird noch eine längere Durststrecke vor sich haben. Wenn es schlecht läuft, braucht das Kreditinstitut noch einmal eine Kapitalspritze, heißt es aus Kreisen der österreichischen Bankenaufsicht. 900 Millionen Euro hatte die Bank schon Ende vergangenen Jahres vom österreichischen Staat bekommen, 700 Millionen von der BayernLB. Für das ganze Jahr 2009 kündigt die Bank bereits jetzt einen Verlust an. Pinkl wird den Wörthersee wahrscheinlich länger nicht sehen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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