Franz S. Waas soll die Dekabank wieder auf Kurs bringen
Ohne Chauffeur und Expressaufzug

Das Bild hat etwas Beruhigendes. Langsam dreht sich der 224 Meter lange, weiße Koloss im Kieler Hafen. Franz S. Waas blickt immer mal von seinem Schreibtisch im fünften Stock auf und schaut hinunter auf die „M/S Color Fantasy“. Er genießt den Blick auf das weltgrößte Kreuzfahrtschiff mit Autodeck auch deshalb, weil es seine Bank mitfinanziert hat.

HB KIEL. Mit dem idyllischen Ausblick auf die Majestäten der Weltmeere ist es bald vorbei. Waas wechselt spätestens zum Beginn des kommenden Jahres vom Vorstand der HSH Nordbank nach Frankfurt an die Spitze der Dekabank – von der soliden Landesbank zum angeschlagenen Fondsdienstleister der Sparkassen. Der drahtige, etwa 1,75 Meter große 44-Jährige mit den markanten Augenbrauen soll die Dekabank wieder auf Kurs bringen. Waas gibt sich kämpferisch: „Aus jeder Krise wachsen auch Chancen.“

Der neue Vorstandschef muss der Fondsmarke Deka möglichst rasch zu neuem Glanz verhelfen. Früher war sie ein Selbstläufer. Heute ist ihr Ruf ramponiert. Vor allem der offene Immobilienfonds für Deutschland geriet zum Debakel und kostete letztlich den früheren Dekabank-Chef, Axel Weber, den Kopf. Das kam so: Ein führender Dekabank-Manager war in den Frankfurter Immobilienskandal verwickelt. Tausende Anleger verloren das Vertrauen in den Fonds und gaben Anteile in Milliardenhöhe zurück.

Doch das ist nicht das einzige Problem, das Waas jetzt so schnell wie möglich lösen muss. Die Aktienfonds entwickeln sich schlechter als die der Konkurrenz. Die Anleger bleiben weg. Erst vor wenigen Tagen rutschte die Deka in der Absatzstatistik auf Rang drei ab, der Abstand zum Branchenprimus DWS von der Deutschen Bank ist groß.

Und jetzt soll es Waas richten. Den Experten für Schiffsfinanzierungen und komplexe Kapitalmarktprodukte hatte niemand als neuen Dekabank-Chef auf der Rechnung. Die Branche war in diesem Sommer überrascht, als sich die drei wichtigsten Machtpolitiker im öffentlich-rechtlichen Lager, WestLB-Chef Thomas Fischer, Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt und der baden-württembergische Verbandschef Heinrich Haasis, auf das Vorstandsmitglied der HSH Nordbank verständigten.

Waas ist ein Zahlenmensch. In München aufgewachsen, tauschte der Junior in der 7. Klasse das Fach Kunst gegen Buchführung. Und er drückt aufs Tempo. An der Uni zieht er sein BWL-Studium in sieben Semestern durch. Später gelingt es ihm, das marode US-Geschäft der Bayerischen Vereinsbank, einem Vorläufer der heutigen Hypo-Vereinsbank, in nur zwölf Monaten wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.

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