Französische Bauindustrie
Vinci-Chef stolpert über seine Geldgier

Nach einem beispiellosen Machtkampf mit seinem Kronprinzen ist der Präsident des französischen Baukonzerns Vinci, Antoine Zacharias, von seinem eigenen Verwaltungsrat zum Rücktritt gezwungen worden. Zum Verhängnis wurde ihm letztlich seine Geldgier. Verloren hat jedoch auch sein designierter Nachfolger.

HB PARIS. Zacharias gilt als der Architekt des mit 21,5 Milliarden Euro Umsatz weltgrößten integrierten Infrastrukturbetreiber- und Baukonzerns der Welt. Mit 4,29 Millionen Euro Jahresgehalt war der 67-Jährige einer der bestbezahlten Manager Frankreichs. Doch das ist nur der kleinere Teil: Er sicherte sich nach Presseberichten Aktienoptionen im Wert von 250 Millionen Euro sowie reichlich Sonderzahlungen bei Firmenübernahmen.

Zudem richtete er sich fernab des Managements für 50 Millionen Euro ein Büro im feinen Paris ein, sicherte sich eine Abschiedsprämie von neun Millionen Euro und eine Lebensrente von 50 Prozent der Jahresbezüge. Das Fass zum Überlaufen brachte angeblich die Forderung nach einer Prämie von - unbestätigten - acht Millionen Euro für den Kauf des Autobahnbetreibers ASF durch Vinci.

Erst am 9. Januar hatte Zacharias seinen Schützling Xavier Huillard als Generaldirektor an die operative Spitze von Vinci gesetzt und damit als Nachfolger inthronisiert. Am 16. Mai ließ er ihn in den Verwaltungsrat wählen. Doch kurz darauf forderte er die Entlassung Huillards, der „weder Stratege noch Visionär“ sei, und die Einsetzung seines Freundes Alain Dinin. Der ist Chef und Miteigner der Immobilienfirma Nexity, die in Vinci integriert werden soll. Huillard wehrte sich mit einem Brandbrief, in dem er Zacharias' finanzielle Interessen der Presse offenlegte. Dinin zog sich daraufhin zurück.

Am Donnerstagabend zog der Verwaltungsrat einen Schlussstrich unter die Affäre: Er bestätigte Huillard und wies „dem Alten“ Zacharias die Tür. Als neuer Präsident wurde Yves-Thibault de Silguy gewählt, ein Topmanager des Wasser- und Energiekonzerns Suez, der als EU-Wirtschaftskommissar einer der Väter des Euro war. „Wir brauchten einen großen Diplomaten, der Vinci den nötigen Kredit gibt“, sagte ein Mitglied des Verwaltungsrates. Vinci ist mit 19 Milliarden Euro verschuldet und hat gerade 2,5 Milliarden zum Kauf des französischen Autobahnbetreibers ASF aufgenommen.

Vinci SA bezeichnet sich als „weltweit erster integrierter Konzern in den Bereichen Konzession und Bau“. Der Konzern entwirft, baut, finanziert und betreibt Infrastruktureinrichtungen wie Autobahnen, Flughäfen oder Parkhäuser. Der Umsatz stieg 2005 um zehn Prozent auf 21,5 Milliarden Euro, wovon 9,4 Milliarden auf den Baukonzern Vinci Constructions entfielen. Der Überschuss wuchs um ein Viertel auf 871 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der größte deutsche Baukonzern Hochtief kommt auf 13,6 Milliarden Euro Umsatz. Vincis größter Rivale Bouygues SA weist 24,07 Milliarden Euro Konzernumsatz aus.

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