Fraud Manager sollen firmenintern Betrugsfälle im Unternehmen verhindern und aufdecken
Dem Kollegen auf der Spur

Ein Manager, seit 30 Jahren in Diensten des Konzerns, wird ins Büro seines Chefs gerufen. Auf der Stelle muss er seinen Dienstausweis und Büroschlüssel abgeben. Dann eskortierten ihn zwei Mitarbeiter direkt zum Ausgang. Sein Büro hat der Mann nicht mehr wiedergesehen.

Derart filmreif wurden vor kurzem der Vertriebsleiter für Mercedes-Benz und Maybach in Deutschland, Jürgen Fahr, und der Leiter der Hamburger Niederlassung, Walter Missing, aus ihrem Unternehmen geworfen. Die Stuttgarter Autobauer kehren derzeit mit eisernem Besen, um – nach einem anonymen Tipp – einträglichen Graumarktgeschäften, bei denen Fahrzeuge am Fiskus und dem eigenen Vertrieb vorbei ex- und importiert werden, auf die Spur zu kommen. Auch Eckhard Panka, Chef der DaimlerChrysler- Vertriebsorganisation Deutschland, wurde in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Er hatte Mitarbeiter der Bauabteilung des Konzerns auf Mallorca eingesetzt, damit sie eine Freundin bei ihrem Hausbau unterstützen.

Illegal sind derartige krumme Geschäfte zwar nicht immer. Doch schon in der Grauzone zwischen legaler Selbstbedienungsmentalität und kriminellem Handeln entsteht für viele Firmen großer Schaden. „Korruption im strafrechtlichen Sinn beschreibt nur einen Teil dessen, was Korruption wirklich ist“, charakterisiert Henning Herzog den Begriff Fraud, der sich mit Betrug übersetzen lässt. Er ist Direktor des Institute Risk & Fraud Management der Steinbeis-Hochschule Berlin.

Ab diesem Monat werden unter Herzogs Regie in Berlin für Unternehmen interne Ermittler ausgebildet, die auf das Aufspüren von derartigen Betrügereien spezialisiert sind – die Fraud Manager. Sie sollen verhindern, dass die eigenen Mitarbeiter oder Externe durch ihre Aktivitäten gegen die ethischen Spielregeln eines Unternehmens verstoßen. „Jeder Mensch ist anfällig“, urteilt Birgit Galley, die seit mehr als zehn Jahren als internationale Betrugsermittlerin arbeitet und ebenfalls zur Leitung des neuen Berliner Instituts gehört. „Die Frage ist, wo jeder einzelne die Grenzen zieht, wenn ihm eine Gefälligkeit angeboten wird.“

Cornelia Bassler-Schmidt ist Managerin für interne Revision und überwacht das Einhalten der Firmengrundsätze beim US-Express- Zusteller TNT Deutschland. Sie hat die Grenzen klar gezogen. Oft versuchen andere Firmen, sich bei TNT mit Geschenken an die entsprechenden Sachbearbeiter anheischig zu machen, sprich: sie zu schmieren. Weil die Grenzen zwischen einer kollegialen Anerkennung und Bestechung oft fließend sind, müssen Geschenke in der Regel zurück geschickt werden. Auch Einladungen zum Essen oder zu einem Wochenendausflug – gerne mit Begleitung des Ehepartners – bekommen TNT-Mitarbeiter gelegentlich angeboten. „Wir wirken dem durch entsprechende Aufklärung und Sensibilisierung entgegen, damit erst gar keine Abhängigkeitsverhältnisse entstehen“, erklärt Bassler-Schmidt.

Um Betrügereien zu verhindern noch bevor sie entstehen, hat sie im Januar – nach mehrmonatiger Suche – einen Fraud Manager eingestellt. „Während unsere Security sich in erster Linie mit Diebstählen befasst, konzentrieren wir uns auf Wirtschaftskriminalität“, erklärt die TNT-Managerin die Arbeitsteilung der internen Ermittler bei dem Logistikunternehmen. „Fraud Manager sind nicht die interne Polizei, sondern schulen und schützen Mitarbeiter, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.“

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