Frauen in Führung
„Da ist viel Luft und Lust rausgegangen“

Deloitte, der BDI und das Handelsblatt starten am Wochenende das Businessnetzwerk Leader.In. Zu Gast: Opel-Marketingvorstand Tina Müller, die als Branchenfremde in einer Männerdomäne den Sprung in die Oberliga wagte.
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BerlinGut gelaunt ging es zu an diesem Abend im Soho House. Nicht nur eine graue Männerschar, nein, mindestens genauso viele Damen in farbenfroher Garderobe trafen sich im Berliner Edelklub. Alles drehte sich um ein Thema, zu dem zu viele eine fest zementierte Meinung haben. Mindestens genauso viele wissen aber, dass es dringend an der Zeit ist, mit alten Vorurteilen aufzuräumen: Frauen in Führungspositionen.

Deloitte, der BDI und das Handelsblatt starteten in Berlin das Businessnetzwerk Leader.In. Das Ziel: Die Beschäftigung von Frauen in Politik und Wirtschaft zu fördern sowie Frauen und Männer zu vernetzen, um den Wirtschaftsstandort Deutschland aufzuwerten.

Eine Frau scheint dafür geradezu prädestiniert zu sein, ein wichtiges Wort mitzureden: Tina Müller. Die ehemalige Henkel-Managerin, die im Herbst in den Vorstand des Autobauers Opel einrückte, hat als Branchenfremde in einer Männerdomäne den Sprung in die obere Liga gewagt. Das fanden viele ungeheuerlich. Als "Shampoo-Prinzessin" wurde die 45-Jährige sogar tituliert. Mit einer einzigartigen Opel-Werbekampagne ließ sie jedoch ihre Kritiker verstummen. "Umparken im Kopf" heißt die Kampagne - eine Aufforderung, neu und anders zu denken.

Genau das ist auch in Bezug auf Frauen in Führungspositionen angesagt. Der jetzige Zustand ist ein Armutszeugnis: So sind zwar in Deutschland 51 Prozent der Hochschulabsolventen weiblich, aber nur drei Prozent der Führungskräfte der 200 größten Unternehmen hierzulande. Es habe sich in den vergangenen Jahren einfach zu wenig getan, konstatiert die Managerin Tina Müller: "Da ist viel Luft und Lust rausgegangen."

Und so wurde viel diskutiert an diesem Abend im Soho: über die Frauenquote, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kita-Plätze, Ganztagsschulen, über Teilzeitarbeit, die Uhrzeit von Meetings und veraltete Rollenmuster zwischen Mann und Frau. Warum geben viele Frauen irgendwann auf der Karriereleiter auf? "Ich wünschte, man würde viel mehr über die Rolle der Männer diskutieren", sagte eine Enddreißigerin. In ihrem Umfeld nähmen die Männer nach der Geburt eines Kindes höchstens mal zwei Monate Elternzeit. "Dann steigen sie wieder voll in den Job ein - als wenn nichts gewesen wäre."

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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