Fred Goodwin (RBS)
Der hässlichste Banker der Insel

Randalierer werfen Steine auf seine Villa, die britschen Medien stellen ihn an den Pranger: Fred Goodwin, ehemaliger Chef der Royal Bank of Scotland, ist der unbeliebteste Engländer. Der britische Banker, der nicht auf seine Pension verzichten will, ist längst zum Politikum geworden.

LONDON. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der hässlichste Banker im ganzen Land. In Großbritannien ist diese Frage schnell beantwortet, Fred Goodwin, der ehemalige Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) führt unangefochten die Hitliste der Buhmänner der Bankenkrise an. Beweis gefällig? Als in der Nacht zum 25. März ein paar Randalierer einige Scheiben in Goodwins Villa im schottischen Edinburgh einwarfen und noch seinen Mercedes demolierten, hatte nicht einmal die Nachbarin ein gutes Wort für den Banker übrig. „Wie kann sich jemand nur so verhalten“, schimpfte die Dame, und damit meinte sie Goodwin und nicht die Übeltäter.

Was die Nachbarin und die gesamte britische Öffentlichkeit so erregt: Der 50 Jahre alte Goodwin, der die inzwischen quasi verstaatlichte RBS beinahe in die Pleite geführt hat, will trotz allem nicht auf seine Firmenpension von 700 000 Pfund im Jahr verzichten. Die Geschichte mit der Pension ist jetzt schon einige Wochen alt, doch der Volkszorn kocht noch immer, und zwar so hoch, dass die Rentenaffäre mittlerweile auch die Labour-Regierung von Premier Gordon Brown erschüttert.

Goodwin war während des Anschlags auf seine Villa nicht zu Hause. Seit Wochen wurde der Manager nicht mehr in Edinburgh gesehen, der zähe Schotte, der sich wegen seines harten Managementstils den Spitznamen „Fred the Shred“ verdiente, ist komplett abgetaucht.

Doch auch in Abwesenheit wird Goodwin die heutige Hauptversammlung der RBS dominieren. Die Veranstaltung in der kreisrunden Arena des Edinburgh International Conference Centres wird den üblichen Mustern folgen. Die Privatanleger werden sich empören über die Selbstüberschätzung und die Gier der Banker, und die Beteiligungsgesellschaft der Regierung wird dem Management wegen Goodwins Pension die Entlastung verweigern – ein rein symbolischer Akt, der nichts an der Tatsache ändert, dass der Ex-Chef bis an sein Lebensende Jahr für Jahr fast eine Dreiviertel Million Pfund kassiert.

Für einen wird die Hauptversammlung allerdings mehr als symbolischen Wert haben. Paul Myners, Staatssekretär im Finanzministerium. Myners, der ehemalige Chef der Fondsgesellschaft Gartmore blickt auf eine mehr als 30 Jahre lange Karriere in der Londoner City zurück. Im Herbst 2008 trat er seinen Posten in der Politik an, und quasi sofort begann der Ärger. Es ist das erste Wochenende im Oktober. Wieder einmal spielen die Märkte verrückt, dieses Mal ist es die RBS, die unter akuten Verdacht der Anleger gerät. Myners hat bis Montagmorgen jede Menge zu tun. Er muss die RBS stabilisieren, Goodwin aus dem Amt drängen, und nebenbei noch dafür sorgen, dass die geplante Übernahme des schwer angeschlagenen Hypothekenfinanzierers HBOS durch den stärkeren Konkurrenten Lloyds TSB nicht doch noch platzt.

Alle Punkte hat Myners erfolgreich abgearbeitet, nur die üppige Pension von Goodwin ist ihm durchgerutscht. Myners gab zu Protokoll, dass das RBS-Management während der Verhandlungen die Rente des Vorstandschefs kunstvoll verborgen habe. Der Ex-Chairman der RBS Tom McKillop will das nicht auf sich sitzen lassen. Er ließ das Parlament wissen, dass Myners Bescheid gewusst habe. Sofort witterte die Opposition Verrat und forderte den Rücktritt des Staatssekretärs. Doch vielleicht sollten die Tories das überdenken, schließlich weiß keiner so genau, wie Myners Rentenregelung aussieht.

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