Fred Hassan
Dr. Turn-around

Fred Hassan überrascht die Pharmabranche. Erst hat er vier Jahre lang den angeschlagenen Konzern Schering-Plough in Form gebracht. Nun kündigt er zum Wochenauftakt an, er werde für elf Milliarden Euro den niederländischen Pharmaspezialisten Organon übernehmen. Damit will er Schering-Plough wieder auf Wachstumskurs bringen.

FRANKFURT/ NEW YORK Der 61-Jährige mit dem offenen Lächeln und den charakteristischen Geheimratsecken über der breiten Stirn ist so etwas wie die graue Eminenz der pharmazeutischen Industrie. In 35 Jahren Industrieerfahrung hat er so ziemlich jede Branchenentwicklung hautnah mitbekommen. Zuletzt die Fusionitis der Großkonzerne, die ihn 2002 im Zuge des Zusammenschlusses mit dem Branchenprimus Pfizer aus dem Chefsessel des Pharmacia-Konzerns katapultiert hat.

Ehemalige Mitarbeiter beschreiben ihn als typischen Vertreter der soften Variante des amerikanischen Führungsstils. Ein Chef, der keine E-Mail unbeantwortet lässt. Mit seiner sanften Stimme ähnele er einem Therapeuten, gerade wenn er schmerzliche Eingriffe wie den Abbau von Arbeitsplätzen ankündigt. Er selbst sieht sich nicht als Manager, sondern als „Leader“: „Man muss in die Herzen der Menschen vordringen – das lernt man nicht auf der Business School.“

Das heißt aber nicht, dass Hassan die akademische Qualifikation für eine glanzvolle Managerkarriere fehle. Der Werdegang des gebürtigen Pakistani ist typisch für einen Spross der Eliten der früheren britischen Kolonien: 1945 wird er als Farid Hassan in Multan im Punjab geboren. Er geht mit 17 Jahren nach London, um Chemie zu studieren. Fünf Jahre später kehrt er zurück und heiratet. 1970 schreibt er sich an der renommierten Havard Business School ein, die ihm als Brücke zur Welt der großen Spieler im Pharmamarkt dient.

Bei seinem ersten großen Arbeitgeber, der heute zum Novartis-Konzern zählenden Sandoz-Gruppe, gilt er rasch als Aufräumer. Erst saniert er Abteilungen, dann Regionen, darunter auch das Geschäft in seiner Heimat Pakistan. 1987 hat er es an die Konzernspitze geschafft.

Zwei Jahre später wechselt er als Chief Executive Officer (CEO) zu dem inzwischen in Wyeth umbenannten Pharmakonzern Home Depot. 1997 dann der Wechsel zum Pharmacia-Konzern. Er schafft es, dass sich der Gewinn während seiner Zeit an der Spitze verdreifacht.

Auch bei Schering-Plough hat Fred Hassan schon tiefe Spuren hinterlassen. Seit seinem Amtsantritt ist kaum noch jemand aus der früheren Führungsmannschaft an Bord. Dafür erwirtschaftet das Unternehmen heute einen Cash-Flow von einer Milliarde Dollar im Jahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%