Freddie-Mac-Chef Richard Syron
Segler auf rauer See

Dem Hobby-Segler Richard Syron bläst der Wind oft rau ins Gesicht. Beruflich lief es für den Freddie-Mac-Chef bisher besser: Doch seit Ausbruch der Subprime-Krise steuert sein Unternehmen durch schwere Gewässer und "Kapitän Syron" wird öffentlich kritisiert. Vor allem, weil er ein ungewöhnlich hohes Gehalt bezieht.

NEW YORK. Wenn Fotos das wahre Leben abbilden, steht es nicht gut um Richard Syron. Die Mundwinkel des 64-Jährigen sind stramm nach unten gezogen, der linke Arm auf den Tisch gestützt und unters Kinn geklemmt. In einer derart ratlosen Pose hat man Richard Syron, den Chef der Hypothekenbank Freddie Mac, selten gesehen. Das Foto soll zeigen, „wer hinter dem Schlamassel von Freddie und Fannie steckt“, titelt dazu das US-Magazin Fortune.

Ein schwacher Trost für Syron: Er ist nicht allein auf dem Bild. Neben ihm sitzt Branchenkollege Daniel Mudd, der Konzernchef von Fannie Mae. Derzeit tobt in den USA eine lebhafte Debatte darüber, ob halbstaatliche Unternehmen, die vom Fiskus finanziell gestützt werden müssen, ihren Topmanagern zweistellige Millionengehälter zahlen dürfen. Einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC zufolge erhielt Syron im Vorjahr 19,8 Mill. Dollar, obwohl Freddie Mac bis Ende Dezember bereits 50 Prozent seines Börsenwerts verloren hatte. Inzwischen sind die Verluste so hoch, dass Pleitespekulationen die Runde machen. Analysten werfen Syron vor, er habe nicht rechtzeitig und nicht aggressiv genug frisches Kapital eingesammelt. Der Wind bläst dem Hobby-Segler rau ins Gesicht. Die Höhe seiner Kompensation sei „empörend“, findet der parteiunabhängige Senator Joe Lieberman aus Connecticut.

Der Weg vom Zögling einer irischen Arbeiterfamilie zum Topmanager, der es mit dem Gehalt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aufnehmen kann, war weit für den Jungen aus bescheidenen Verhältnissen: Richard F. Syron wächst in Massachusetts an der Ostküste auf. Drei verwandte Familien teilen sich ein Haus, sein Vater verdient nur wenig als Schmied. Richard verdingt sich als Hausanstreicher, um ein BWL-Studium am Boston College und später an der Tufts University zu finanzieren.

Sein Weg in die Finanzelite Amerikas führt über eine Assistenz bei der US-Notenbank zur Federal Home Loan Bank of Boston, deren Präsident er 1986 wird. In den frühen 90er-Jahren sitzt er im Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed und dreht am großen Rad der Weltfinanz. Dann wird er Chef der American Stock Exchange, die er fünf Jahre lang führt und 1999 mit dem Mutterkonzern der Nasdaq fusioniert.

2003 wird Syron an das Steuer von Freddie Mac gerufen: Der Hypothekenfinanzierer gilt als abschreckendes Beispiel für Bilanztricks an der Wall Street. Richard Syron räumt auf. Unter seiner Führung habe der Konzern Mängel in der Rechnungsprüfung beseitigt und „eine Menge für Hauskäufer und den Immobilienmarkt getan“, heißt es offiziell bei Freddie Mac. Ob diese Leistung allerdings fast 20 Mill. Dollar pro Jahr wert ist, soll demnächst eine neue Regulierungsbehörde mit mehr Macht als bisher entscheiden. Nimmt man das Foto mit den nach unten gezogenen Mundwinkeln zum Maßstab, kennt Syron die Antwort bereits.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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