Freenet-Chef tritt ab
Abschied zum Fest der Liebe

Die Telekombranche verliert eine ihrer schillerndsten Figuren. Der in die Kritik geratene Freenet-Chef Eckhard Spoerr tritt ab - und beugt sich damit erstmals in seiner Karriere dem Druck seiner Widersacher. Ein nicht ganz freiwilliges Ausscheiden.

WIEN. "Süßer die Handys nie klingeln" steht auf giftgrünem Untergrund. So mancher wird die Weihnachtskarte aus dem Hause Freenet nicht direkt wegwerfen - denn wer sie aufklappt, entdeckt die Unterschrift von Firmenchef Eckhard Spoerr. Oder besser: Ex-Firmenchef. Denn das Signieren der Grüße gehört zu den letzten Amtshandlungen Spoerrs bei Freenet. Einen Tag vor Weihnachten kündigte er an, was Branchenkennern undenkbar schien: Spoerr gibt auf.

Damit verliert der Büdelsdorfer Mobilfunk- und Festnetzanbieter nicht nur seinen Chef - sondern auch die Telekombranche eine ihrer schillerndsten Figuren. Immer wieder sorgte Spoerr für Schlagzeilen. Zum Beispiel durch sein fürstliches Gehalt: 2007 hat er inklusive Aktienoptionen 4,4 Millionen Euro verdient - mehr als Telekom-Chef René Obermann. Darüber hinaus steht der Verdacht im Raum, Spoerr habe versucht, sich mit Aktienoptionen zu bereichern: Demnächst muss sich der 40-Jährige vor dem Landgericht Hamburg gegen den Verdacht des Insider-Handels verteidigen.

All die Gerüchte konnten dem selbstbewussten Manager in den neun Jahren an der Freenetspitze nie etwas anhaben. Bis jetzt. Einerseits hatten viele in der Branche den Schritt erwartet, weil Spoerr einen Großteil der eigenen Aktionäre gegen sich aufgebracht hatte. Auf der anderen Seite hielten Beobachter auch dieses Mal einen Befreiungsschlag für möglich - wie schon so oft.

So setzt er sich bei der Integration von Freenet in die Muttergesellschaft Mobilcom im Jahr 2005 gegen Mobilcom-Chef Thorsten Grenz durch, der danach das Weite sucht. Auch dem Druck seiner Anteilseigner ist Spoerr lange gewachsen: Auf den vergangenen beiden Hauptversammlungen scheitern sie mit Versuchen, dem Aufsichtsrat das Vertrauen zu entziehen und Spoerr vom Chefsessel zu stoßen.

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