Freiwillig verteidigte er seine Wahlheimat
Erster Nicht-Japaner führt Sony

Der gebürtige Brite Howard Stringer soll die Probleme des Elektronikriesen lösen. Freunde haben ihm von dem Job abgeraten. Als Howard Stringer Ende der 90er-Jahre zum US-Chef des Unterhaltungsriesen Sony ernannt wird, hat er keinen direkten Einfluss auf sein Geschäft.

DÜSSELDORF. Sowohl die amerikanische Musik- als auch die Unterhaltungssparte bilden unabhängige Einheiten, die direkt von Tokio kontrolliert werden.

Aber acht Jahre später belehrt Stringer seine Freunde eines Besseren. Inzwischen hat er nicht nur das US-Geschäft fest im Griff, sondern auch den Gesamtkonzern. Gestern gab Sony bekannt, dass er an der Konzernspitze Nobuyuki Idei ablösen wird, der am 22. Juni abtritt. Zum ersten Mal wird mit Stringer ein Nicht-Japaner Chief Executive Officer des größten Konzerns Nippons.

Das ist nicht das erste Mal, dass der bullige 63-Jährige aus Wales ungewöhnliche Wege geht. Schon als junger Oxford-Absolvent bleibt er, anders als seine Kommilitonen, nicht in Großbritannien. Er entscheidet sich für eine Karriere in den USA. Doch ihn treibt nicht nur die Jobfrage. „Dieser Platz war für mich immer ein Ort voller Idealismus und unbegrenzter Möglichkeiten“, sagt er über seine Wahlheimat, die er als Freiwilliger im Vietnamkrieg verteidigt hat und deren Staatsbürgerschaft er vor zwanzig Jahren annahm.

Nach dem Krieg kann Stringer die Möglichkeiten, die ihm das Land bietet, in eine beachtliche Medienkarriere verwandeln. Vom Dokumentarfilmer und Produzenten einer Nachrichtensendung bei CBS arbeitet er sich bis zum Präsidenten des Fernsehkonzerns hoch. Bereits hier fällt er als harter, aber fairer Sanierer auf. „Stringer hat einen sehr konsensorientierten Führungsstil“, heißt es über ihn in der Branche.

Diese Eigenschaften dürften ihm bei Sony geholfen haben. Nach seinem Start 1997 beim Elektronikriesen bringt Stringer das US-Filmgeschäft auf Gewinnkurs, gewinnt einige der profitabelsten Musik- und Filmstars für Sony und baut nebenbei einen Teil der zukunftsträchtigen Breitbanddienste in den USA auf.

Zuletzt macht der Rugby-Fan durch die Übernahme des traditionsreichen Hollywood-Studios MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) von sich reden. Die Filmfabrik mit dem Löwen im Wappen, bekannt durch Filmklassiker wie „James Bond“ und „Der rosarote Panther“, gilt als Juwel. Stringer sticht bei dem 4,8-Milliarden-Dollar-Deal sogar den weltgrößten Medienkonzern Time Warner aus.

Jetzt muss er zeigen, ob er noch größeren Aufgaben gewachsen ist. Von seinem Vorgänger Nobuyuki Idei übernimmt er bei Sony ein schweres Erbe. Der Konzern hat große Ertragsprobleme und in den letzten fünf Jahren 70 Prozent seines Aktienwertes verloren. Allmählich werden die Aktionäre ungeduldig.

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