Fremdmanager
Die Katjes-Rennpferde

Eigentlich wollte sich Klaus Fassin, Gründer des Süßwarenherstellers Katjes, vor zehn Jahren aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Doch wie es oft bei Familienunternehmen der Fall ist, gelang die Übergabe des Geschäfts an einen Nachfolger aus der Familie nicht nahtlos. Also machte sich Fassin auf die Suche nach einem Fremdmanager.

EMMERICH. "Das Unternehmen trat auf der Stelle. Es nahm nicht die Entwicklung, die ich mir vorgestellt hatte." So beschreibt Klaus Fassin, Gründer des Süßwarenherstellers Katjes, heute die Lage des Unternehmens vor rund zehn Jahren. "Ich brauchte jemanden, der meine Produkte richtig vermarkten konnte. Das schaffte ich nicht, denn ich kümmerte mich ja fast ausschließlich um die Produktion", erläutert Fassin.

Seinerzeit befand sich der heute 74-Jährige am Rande eines ausgeprägten Stimmungstiefs: Nachdem er in mehr als 40 Jahren harter Arbeit aus einem Ein-Mann-Betrieb einen angesehenen Markenproduzenten mit 300 Beschäftigten geformt hatte, wollte er sich mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres aus dem operativen Geschäft zurückziehen.

Doch wie bei so vielen Familienunternehmen gelingt die Übergabe des Geschäfts an einen Nachfolger aus der Familie nicht nahtlos. Sohn Bastian, Alleinerbe des Familienvermögens, hatte gerade erst ein Wirtschaftsstudium im westfälischen Münster aufgenommen und war zur Übernahme der Verantwortung für den Betrieb noch nicht bereit.

Klaus Fassin machte sich also auf die Suche nach einem familienfremden Manager. Nach jemandem, der zu seinem mittelständischen Unternehmen passt, der die Vermarktung vorantreibt. Nach einem Manager, der das Unternehmertum selbst im Blut hat und sein Lebenswerk sichern kann.

Das waren hohe Anforderungen, und noch dazu hatte der Katjes-Gründer mit Fremdmanagern bis dahin gar nicht so gute Erfahrungen gemacht. Am Stammsitz im niederrheinischen Emmerich nahe der deutsch-niederländischen Grenze werkelte damals bereits die dritte Generation externer kaufmännischer Geschäftsführer und produzierte statt vorzeigbarer Ergebnisse vor allem eines: "Unvorstellbare Papierberge", wie sich der Seniorchef erinnert. Ein kurz zuvor erst eingestellter kaufmännischer Leiter hatte dem Familienunternehmen die Strukturen eines Großbetriebes aufgepfropft. "Mit dem Ergebnis, dass niemand mehr erreichbar war, weil die Verantwortlichen sich immer in irgendwelchen Meetings aufhielten." Fassin schildert dies noch heute mit einem verzweifelten, fassungslosen Unterton in seiner Stimme.

Dass Fassin trotzdem "voll Glück und Zufriedenheit" auf seine Lebensleistung schauen kann, verdankt er vor allem einem Mann: Tobias Bachmüller. Den heute 48-Jährigen machte der Katjes-Gründer vor zehn Jahren zum Vorsitzenden der Geschäftsführung.

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