„Freundschaft und Geschäft kann man nicht voneinander trennen“
Der Verpackungskünstler

Peter Schmidt ist einer von Deutschlands bekanntesten Designern. Als Geschäftsführer seiner Designagentur zu repräsentieren, kalkulieren und analysieren gehört dabei nicht zu seinen Lieblingstätigkeiten. Er will vor allem gestalten.

HAMBURG. Als er kürzlich der Milka-Kuh zum 30. Geburtstag gratuliert, beschreibt er das Markenzeichen seines langjährigen Kunden, des Schokoladenherstellers Kraft, mit folgenden Worten: „Sie ist ein schüchternes Herdentier, das den Schutz der Gruppe sucht, statt sich in den Mittelpunkt zu spielen.“

Peter Schmidt spricht leise zu den etwa 50 geladenen Geburtstagsgästen. Ganz in Schwarz gekleidet, hält sich der Geschäftsführer des Designstudios Peter Schmidt Group mit seinen freundlich blickenden Augen am Manuskript fest. Er wirkt ein wenig wie das Milka-Maskottchen, wie er da so alleine auf dem Podium steht: schüchtern – und peinlich berührt, weil ihn der Milka-Chef als „Star-Designer“ angeredet hat.

„Ich werde rot, wenn mir jemand überraschend Komplimente macht“, sagt der schlanke Mann mit der schwarzen Metallbrille, die er – außer zu Fototerminen – stets trägt. Die kaufmännischen Seiten seines Jobs als Gründer und Geschäftsführer des Designstudios liegen ihm nicht: Repräsentieren, Kalkulieren und Analysieren gehören nicht zu seinen Lieblingstätigkeiten.

Er will vor allem gestalten. Deshalb, so sagt er, verbringt er so wenig Zeit wie möglich mit den geschäftlichen Notwendigkeiten. „Entscheidungen fälle ich spontan. Deshalb sind sie auch häufig falsch“, sagt der gelernte Grafiker und grinst. Stets hatte er einen Geschäftsführer, der sich um Zahlen und Fakten kümmerte.

Trotzdem – oder gerade deswegen – gehört Schmidt zu den erfolgreichsten deutschen Produkt- und Verpackungsdesignern. Das Manager Magazin nennt ihn einen „Gestaltungsguru“, die Vogue einen „Pionier moderner Ästhetik. Gut 30 Jahre nach Gründung seiner Agentur beschäftigt er etwa 85 Mitarbeiter. Seine Kundenliste ist im Laufe der Jahr lang geworden: Milka-Hersteller Kraft, Modefirmen wie Joop, Jil Sander und Hugo Boss, Fluggesellschaften wie Lufthansa und Germanwings sowie Textilfilialisten wie Peek & Cloppenburg.

„Viele meiner Kunden sind mit mir groß geworden“, sagt Schmidt. Jil Sander gehörte zu den ersten. Inzwischen ist der Designer mit vielen Chefs seiner Auftraggeber befreundet; das gehört zu seiner Auffassung von Geschäftsbeziehung. „Freundschaft und Geschäft kann man nicht voneinander trennen“, findet er.

„Es kommt selten vor, dass eine geschäftliche Zusammenarbeit auf einer freundschaftlichen Basis stattfindet“, sagt Hasso Nauck von der Bremer Chocolade-Fabrik. „Mit Peter Schmidt ist es möglich.“ Der Designer gestaltet für ihn die Hüllen der Schokoladenmarke „Hachez“.

Manche Mitarbeiter sehen Schmidts engen Kontakt zu seinen Topkunden kritisch, weil sich im Schatten des obersten Designers kaum einer der Nachwuchs-Kreativen profilieren kann. Und hinter vorgehaltener Hand fragen sie sich, was aus der Agentur wird, wenn der Namensgeber nicht mehr dabei ist. Für viele Kunden ist das klar. „Sollte Schmidt sich einmal zurückziehen, hoffe ich, dass er uns trotzdem weiter betreut“, merkt Nauck an.

Schmidt hält dagegen, dass er vor etwa zwei Jahren angefangen habe, verstärkt Verantwortung zu delegieren. Trotzdem ist für den gebürtigen Bayreuther mit dem fränkischen Dialekt der komplette Rückzug kein Thema . „Ich könnte gar nicht aufhören“, räumt er ein.

„Viel eher denke ich über die Gestaltung des Nichtaufhörens nach.“ Seine Lieblingskunden will er noch lange betreuen, zusätzliche Freizeit mit Theater- und Opernbesuchen und Reisen verbringen. Neben seiner Stadtvilla in Hamburg hat er ein Haus in Florida, ein weiteres baut er auf Ibiza.

Wo Geschäftsbeziehungen in Freundschaften übergehen, ist es schwierig, Sachlichkeit an den Tag zu legen. „Natürlich kann ich unseren Kunden nicht sagen: ,Jetzt habt ihr uns schon seit einem Jahr keinen Auftrag mehr gegeben, bitte werdet doch mal wieder aktiv!’ Das belastet die Freundschaft“, erzählt er. Bislang seien seine Kunden noch immer „von alleine“ gekommen.

Seit gut einem Jahr spürt aber auch er die Wirtschaftsflaute. Insbesondere der Umsatz mit Verpackungen, mit denen Schmidt groß geworden ist, sei um ein Fünftel gesunken, berichtet das Fachmagazin „Horizont“. Es beziffert den Honorarumsatz des Studios, das heute mehrheitlich zur Werbeagentur BBDO gehört, mit 10,3 Millionen Euro.

Den Geschäftsführer, der noch mit 24 Prozent beteiligt ist, scheint das kaum zu irritieren: „Der Umsatzrückgang interessiert mich nicht“, betont Schmidt. Er werde die Qualität seiner Arbeit nicht verschlechtern, weil alle Welt sparen wolle. Um den Rückgang im Verpackungsgeschäft dennoch aufzufangen, versucht er jetzt, mehr Geld mit der Gestaltung von Ladenlokalen und „Corporate Design“ zu verdienen.

Seit kurzem betreut er den Kunden Juchheim, der in Japan in eigenen Läden deutschen Baumkuchen verkaufen will. Das kommt dem Asienfan Schmidt sehr entgegen. Nach seiner nicht so erfolgreichen Expansion in die USA versucht er, jetzt Japanern seine Designideen zu verkaufen. Mit einigen Kosmetikunternehmen sei er bereits in Verhandlung.

Wer neue Kunden gewinnen will, ist viel auf Achse. So arbeitet der Junggeselle Schmidt nur zwei Wochen im Monat in seinem Hamburger Atelier. Die übrige Zeit ist er häufig in den USA und Japan unterwegs. Die Reiserei scheint ihm wenig auszumachen. Der Mittsechziger hält sich mit Tai-Chi-Training und ausgiebigen Wanderungen in seiner Bayreuther Heimat fit.

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