Friede Springer
Knallharte Unternehmerin mit Herz

Die Verlegerin gilt als geradlinig und freundlich. Doch dass Friede Springer auch knallhart sein kann, hat nicht nur ihr Gegenspieler Leo Kirch zu spüren bekommen. Heute feiert sie ihren 70. Geburtstag.
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DüsseldorfDer Antrag kam unerwartet: „Friede, wollen wir nicht heiraten? Ich kann dieses ,Fräulein Riewerts' nicht mehr hören“, sagte Axel Cäsar Springer eines Abends im Maritim-Hotel zu Travemünde seiner Lebensgefährtin. Damals, im Jahr 1977, waren der „Bild“-Gründer und seine ehemalige Angestellte schon zehn Jahre lang ein Paar. Nun aber sollte alles ganz schnell gehen. Auf dem Standesamt in Charlottenburg schloss der Verleger am 20. Januar 1978 seine fünfte Ehe.

Und es war diejenige von Springers Ehen, die sein Schaffen als Unternehmer am nachhaltigsten beeinflusst hat. Aus der Kinderfrau von einst ist eine der prägendsten Medienpersönlichkeiten dieser Republik geworden, eine Unternehmerin und Gesellschaftsgröße. Heute feiert Friede Springer ihren 70. Geburtstag.

Längst ist sie aus dem Schatten ihres verstorbenen Gatten herausgetreten, hat es geschafft, nicht nur als Sachwalterin seines Imperiums, seiner Ideen und Werte wahrgenommen zu werden, sondern auch als Gestalterin. Die Mehrheitsgesellschafterin von Europas größtem Zeitungskonzern („Bild“, „Welt“, „Hörzu“) hat ihr Erbe nicht nur bewahrt, sondern vermehrt. Sie gehört damit zu der Reihe großer Unternehmerwitwen wie Elisabeth Schaeffler oder Liz Mohn, denen es gelang, nach dem Tod ihrer Männer zu machtvollen Unternehmerinnen zu werden.

Auch, weil sie sich nicht aufs reine Repräsentieren beschränken, sondern sich tief in die Materie eingearbeitet haben. Springer, die mit 53 Prozent die Mehrheit an der Axel-Springer AG hält, etwa ist noch immer mit der Alltagsarbeit in ihrem Unternehmen befasst. Jeden Morgen kommt sie vom Berliner Nobelviertel Dahlem nach Berlin-Mitte in die Konzernzentrale. Ihr Arbeitsbeginn liegt zwischen acht Uhr und halb neun. Springer ist Frühaufsteherin. Partys zu später Stunde versucht sie, so gut es geht zu meiden. Täglich setzt sie sich an ihr Apple-Notebook. Für das schnelle Bearbeiten von E-Mails ist sie im Konzern bekannt.

An Arbeit fehlt es der Dame im Rentenalter nicht. Sie ist stellvertretende Aufsichtsratschefin, Vorstand der Friede Springer Stiftung – die sie 2011 mit 80 Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen ausstattete – und Vorstandsvorsitzende der Axel Springer Stiftung. Darüber hinaus hat sie die Friede Springer Herz Stiftung gegründet. Zudem hat sie noch 18 weitere Ehrenämter und Mitgliedschaften inne.

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