Friede Springer Sie herrscht – mit freundlicher Härte

Friede Springer wird heute 65 Jahre alt. Ihre Position im Medienkonzern ist unangefochten.
Der Machtanspruch der Verlegerin Friede Springer ist uneingeschränkt. Foto: ap Quelle: ap

Der Machtanspruch der Verlegerin Friede Springer ist uneingeschränkt. Foto: ap

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DÜSSELDORF. Die Contenance geht Friede Springer, die heute ihren 65. Geburtstag feiert, nicht einmal in den Stunden härtester Prüfung verloren. Gegenspieler Leo Kirch kann von der freundlichen Härte der Verlegerwitwe Axel Springers ein Lied singen. Als im September 2002 der gescheiterte Medienmogul den "Bild"-Konzern für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich machen wollte und eine außerordentliche Hauptversammlung im Berliner Springer-Hochhaus durchsetzte, blieb Friede Springer nach außen höflich und gelassen.

Mit einem Lächeln schenkte sie auf dem Podium ihrem ungeliebten Aufsichtsratskollegen Leo Kirch frischen Kaffee nach und plauderte mit ihm angeregt über Nichtigkeiten. Derweil schlugen sich Kirchs Anwälte und der frischgebackene Vorstandschef Mathias Döpfner verbal die Köpfe ein. "Ihre Stärke ist, dass sie ihre Macht ausübt und trotzdem im Hintergrund bleibt. Die indirekte Führung ist ihr Talent", beschreibt sie Ralf Kogeler, früherer Springer-Finanzvorstand.

Heute ist die eiserne Lady unangefochtene Chefin über ein weitverzweigtes Medienimperium. Ihren Erzfeind Kirch ist sie längst los; ihren Vorstandschef Döpfner hat sie zum Mit-Unternehmer gemacht. Und der frühere "Bild"-Konzern? Das Zeitungshaus wandelt sich schneller als erwartet zu einem wachstumsorientierten Medienunternehmen mit zahlreichen Internetmarken und Auslandsbeteiligungen. Durch die Übernahme des Briefzustelldienstes Pin steigt Springer zudem zu einem wichtigen Logistikunternehmen auf.

Das freundliche Fräulein Riewerts, die einst als Kindermädchen im Haushalt des Großverlegers Axel Cäsar Springer begann, ist heute eine mächtige, stets elegant gekleidete Unternehmerin, auf deren Freundschaft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel verlassen kann. Mit Ausdauer und Disziplin hat sie sich durchgesetzt. "Ich bin sein Produkt", sagte sie über ihren Ehemann, mit dem sie von 1978 bis zu seinem Tod 1985 verheiratet war. Seinen Wertekanon, die publizistische Solidarität mit den USA und Israel, hütet sie.

Aus dem Tagesgeschäft hält sich die fünfte Frau des politisch stets umstrittenen "Bild"-Verlegers aber seit Jahren heraus. Das erledigt Döpfner. Dem Vorstandschef vertraut sie blind. Nur wichtige Personalien fallen nicht ohne ihre Zustimmung.

Ihr Machtanspruch ist heute uneingeschränkt. Selbst ihren jahrelangen Kritiker Axel Sven Springer, Enkel der Konzerngründers, ist sie längst los. Der Störenfried hat im Kampf um das Erbe den Kürzeren gezogen. Friede Springer kontrolliert heute die Mehrheit an Europas größtem Printkonzern. Dieses Geburtstagsgeschenk hat sich die willensstarke Milliardärin selbst gemacht.

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