Fritz Oesterle
Bittere Pillen

Ärger mit deutschen Apothekern und Probleme im Ausland: Fritz Oesterle, Chef von Europas größtem Pharmahändler, droht erstmals ein Gewinnrückgang.

STUTTGART. Fritz Oesterle liebt schnelle Kurven. Besonders wenn der ehemalige Amateurrennfahrer mit seinem Porsche über die Schwäbische Alb prescht. Noch lieber sind dem gebürtigen Stuttgarter aber die Kurven von Celesio – gelbe, rote, grüne. 21 Jahre lang zeigten die Kurven steil aufwärts. Pünktlich wie seine Medikamente lieferte Europas größter Pharmahändler jedes Jahr zweistellige Gewinnsteigerungen an den Hauptaktionär Haniel. Aber im ersten Quartal 2008 musste der Celesio-Chef zum ersten Mal das Wort „Delle“ in den Mund nehmen, um einen Gewinnrückgang zu beschreiben.

Morgen dürfte die Delle noch größer werden, wenn er die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Denn auch von April bis Juni hat sich wenig an der Konstellation im Pharmamarkt geändert. Rabattschlachten in Deutschland und staatliche Preiskürzungen in europäischen Gesundheitssystemen drücken auf die Marge. Analysten rechnen sogar mit einer Gewinnwarnung. Der Aktienkurs hat binnen eines Jahres die Hälfte an Wert verloren.

Schlecht für Fritz Oesterle. Seit neun Jahren führt der hagere 56-Jährige den Konzern. Nie zuvor stand er unter größerem Druck. Und das alles nur, weil er immer versucht, seiner Zeit voraus zu sein. Sei es beim Auslandsgeschäft, sei es, als er einen Logistikdienstleister für die Pharmahersteller aufbaut oder wenn er kommende Entscheidungen aus Brüssel vorempfindet.

Der Anwalt mit betriebswirtschaftlicher Vertiefung in Harvard wechselte 1999 auf den Chefsessel bei Celesio, „weil ich nicht immer nur beraten wollte, sondern auch entscheiden“. Oesterle denkt und redet schnell, mit schwäbischem Einschlag.

Der größte Pillenverkäufer des Kontinents hat mal viel geraucht, ist Jurist und nicht Apotheker. Entsprechend nüchtern schaut er auf die Branche. „Er denkt bei allem, was er tut, sehr strategisch“, heißt es von einem Mitarbeiter. Aber manchmal ist er vielleicht doch etwas zu sportlich unterwegs. Im Frühjahr 2007 schockt er seine Apotheken-Kunden, als er die Internetapotheke Doc Morris übernimmt, einen Preisbrecher. Er will unter dem Label eine Marketing-Kooperation für Apotheken aufbauen und sich so auf den erwarteten Fall des Verbots von Apothekenketten in Deutschland vorbereiten.

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