Früherer Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard berät Cerberus
Der Türöffner für den Höllenhund ist ein alter Bekannter

Die US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus ist permanent auf der Suche nach unterbewerteten oder sanierungsreifen Firmen. Jetzt ist sie bei Chrysler fündig geworden.
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FRANKFURT. Das Private-Equity-Haus mit dem martialischen Namen des griechischen Höllenhundes, der das Tor zum Hades bewacht, spielt unter den Finanzinvestoren in der Liga der Schwergewichte, zu denen auch Kohlberg Kravis Roberts (KKR) oder die Texas Pacific Group (TPG) gehören.

Besonders viel Know-how hat sich Cerberus in der Automobilbranche, im Immobiliensektor und bei den Finanzdienstleistern zugekauft. Im vergangenen Jahr führte der Finanzinvestor eine Gruppe von Investoren an, die 51 Prozent an GMAC erwarben, der Finanzierungsgesellschaft von General Motors Corp. Außerdem war der Finanzinvestor in einer Bietergruppe, die 3,4 Mrd. Dollar für den insolventen Autoteilehersteller Delphi Corp investieren wollte, jedoch verhakelte sich das Cerberus-Management mit der amerikanischen Auto-Gewerkschaft UAW. In Deutschland übernahm Cerberus 2004 den insolventen KFZ-Zulieferer Peguform und verordnete ihm ein drastisches Sanierungsprogramm.

Gegründet wurde die Beteiligungsgesellschaft Anfang der neunziger Jahre von dem Investmentbanker Stephen Feinberg mit nur zehn Mill. Dollar Startgeld. Heute verwaltet die Cerberus-Gruppe über 20 Mrd. Dollar in verschiedenen Geldtöpfen für Private Equity, Hedge-Fonds und den Kauf von notleidenden Krediten. Nur wenige Finanzinvestoren decken eine so breite Palette ab. Insgesamt setzen die Portfoliounternehmen heute rund 60 Mrd. Dollar um.

Bei Chrysler kam Cerberus zum Zug, weil der Finanzinvestor den höchsten Kaufpreis bot und vom früheren Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard beraten wurde, der von 2001 bis 2004 als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständig war.

Außerdem soll es auch politischen Druck gegeben haben, damit Chrysler in amerikanischen Händen bleibt. „Niemand hat ein Interesse daran gehabt, dass Chrysler an die Japaner oder Koreaner fällt“, hieß es gestern im Umfeld des Cerberus-Managements. Die Beteiligungsmanager pflegen bekanntermaßen enge Kontakte zur Politik, Chairman ist seit kurzem der einstige US-Finanzminister John Snow. Ein Investmentbanker sagte, der Private-Equity-Investor werde bei Chrysler eine „klassische Restrukturierung“ durchziehen. Unter anderem könnten die Lohnkosten eingedämmt werden. Außerdem sei zu erwarten, dass Cerberus versuchen wird, die Pensionsverpflichtungen einzugrenzen.

Maßgeblichen Anteil an dem Deal hatte die Frankfurter Niederlassung von Cerberus. Türöffner des Mega-Deals war jedoch Verhandlungsführer Wolfgang Bernhard, der nach Aussage von Cerberus-Chairman John Snow allerdings nicht ins operative Chrysler-Management einsteigen wird, sondern weiter als Berater des US-Autobauers zur Verfügung stehen soll. Bernhard gilt bis heute als enger Vertrauter von Daimler-Chef Dieter Zetsche. Der hoch gewachsene Manager, der beinahe Mercedes-Chef geworden wäre, war von 2001 bis 2004 die rechte Hand des damaligen Chrysler-Chefs in den USA und jetzigen Daimler-Chrysler-Konzernchefs.

Cerberus fackelte deshalb nicht lange, als Bernhard im Februar die Segel als Markenchef bei VW strich, und versicherte sich der Dienste des ausgewiesenen Sanierungsprofis. So traf sich Bernhard Mitte April in New York das erste Mal mit Daimler-Vorstand Rüdiger Grube, um einen möglichen Verkauf zu beraten. Ein Wiedersehen nicht ohne Pikanterie: Beide kennen sich noch aus dem Führungszirkel unter Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp, der Bernhard im Sommer 2004 nach einem internen Putschversuch abrupt vor die Tür gesetzt hatte. Bernhard gehörte damals zu den Rebellen, Grube zu den wenigen Schrempp-Getreuen.

Für Cerberus – der zuletzt Schlagzeilen machte durch die Übernahme der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag – ist Chrysler einer der prestigeträchtigsten Deals der vergangenen Jahre. Für Bernhard ist es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Zwar soll Chrysler-Chef Tom LaSorda auch unter dem neuen Eigentümer Cerberus seinen Posten behalten. Bernhard ist aber laut Finanzkreisen für einen Sitz im Verwaltungsrat des Autobauers vorgesehen.

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