Führung und Freizeit Wenn der Chef noch 338 Urlaubstage hat

338 offene Urlaubstage – damit ist ein Konzernchef in den USA Spitzenreiter. Viele Führungskräfte dort verzichten auf die ohnehin knapp bemessenen Ferien – und setzen damit ein gefährliches Vorbild für die ganze Firma.
Viele Führungskräfte haben es schwer, sich vom Unternehmen loszureißen. Quelle: Imago
Traum vom Urlaub

Viele Führungskräfte haben es schwer, sich vom Unternehmen loszureißen.

(Foto: Imago)

Wenn Walter Robb heute in den Urlaub fahren würde, müsste er seine Arbeit als Co-Chef der Biomarkt-Kette Whole Foods erst wieder im März aufnehmen – im Jahr 2017.

Robb hat 2703 Stunden bezahlter Freistellung angesammelt, seit er im Jahr 1991 bei der Supermarktkette angefangen hat. In 8-Stunden-Schichten berechnet ergibt das 338 Tage, die er freinehmen oder sich ausbezahlen lassen kann. Whole Foods gehört zu den wenigen Unternehmen in den Vereinigten Staaten, bei denen ausstehende Urlaubstage nicht verfallen und von den Mitarbeitern Jahr um Jahr mitgezogen werden können. Doch Robb steht mit seinem Widerwillen, die Ferientage zu nehmen, nicht allein da.

Der Co-Chef von Whole Foods hat über 300 Tage Urlaub ausstehen. Quelle: Whole Foods
Walter Robb

Der Co-Chef von Whole Foods hat über 300 Tage Urlaub ausstehen.

(Foto: Whole Foods)

In Aktionärsinformationen werden unbeanspruchte Urlaubstage aufgerechnet. Steven Mollenkopf, Chef des Chipherstellers Qualcomm, kam in jedem Geschäftsjahr seit 2010 auf einen Urlaubsrückstand im Wert von mindestens 121.000 Dollar (rund 111.500 Euro), während R. Milton Johnson vom Krankenhausbetreiber HCA Holdings hier Ende des vergangenen Jahres 152.308 Dollar angehäuft hatte. Apple-Chef Tim Cook wurden 2014 für nicht genutzte Urlaubstage 56.923 Dollar ausgezahlt.

„Mit der heutigen Technologie kann man das vergessen – man hat niemals frei“, sagt Jon Luther, früher Chef von Dunkin’ Brands. Er habe zwar Urlaub genommen, doch die Vormittage in der Regel am Telefon verbracht. Erst dann sei er in einen Erholungsmodus gewechselt. Seiner Einschätzung nach ist es gefährlich, keine Freizeit einzuplanen: „Man muss dafür sorgen, gelegentlich auch mal rauszukommen, um tief durchzuatmen und die Batterien aufzuladen.“

Eigentlich sollte es den Amerikanern leicht fallen, ihren Urlaubsanspruch aufzubrauchen, weil es – relativ gesehen – so wenig davon gibt. Die US-Arbeitgeber gestehen ihren Spitzenmanagern zwischen 15 und 25 Tagen im Jahr zu, basierend auf einer Umfrage von Vistage Worldwide. In anderen Ländern wie Großbritannien und Schweden sieht das Gesetz vor, dass alle Mitarbeiter etwa fünf Wochen Urlaub erhalten.

Tatsächlich sind die Vereinigten Staaten das einzige Industrieland, das keine bezahlte Freizeit vorschreibt, zeigt ein Bericht des Center for Economic and Policy Research. Zusammen mit urlaubsscheuen Bossen könne das für eine Unternehmenskultur sorgen, „in der die Angestellten verunsichert sind, ob sie in die Ferien fahren sollen“, sagt Eden Abrahams, geschäftsführender Partner bei Clear Path Executive Coaching.

Was ein Chef tun muss, wenn die Hütte richtig brennt
Härtetest für den Chef
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Unternehmenskrisen - sie sind der absolute Härtetest und das wohl größte und gefährlichste Abenteuer für jeden Chef. Geht es mit der Firma tief nach unten, kommt es zum entscheidenden Kampf, denn der Abwärtstrend muss gestoppt und der Turnaround geschafft werden.

Der Kampf
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„Die meisten Führungskräfte haben die Ausnahmesituation einer Krise noch nie durchlebt”, schreibt der Autor Mario Neumann weiß, dessen Buch „Abenteuer Führung“ vor kurzem erschienen ist (unsere Rezension lesen Sie hier). Er weiß wie schnell Chefs überfordert sind, wenn sie auf keine Erfahrungen zurückgreifen können. Sie agieren unsicher - und machen im schlimmsten Fall beim ersten Donnergrollen weiter wie immer.

Donnergrollen
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Doch das kann richtig gefährlich sein, warnt Neumann, der auch als Führungskräftetrainer arbeitet. “Aufgabe der Führungskraft ist, die Lage zu verfolgen und der Verunsicherung des eigenen Teams rechtzeitig entgegen zu wirken.” Wie Sie jetzt Flagge zeigen, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Wegducken hilft nicht!
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„Beugen Sie Gerüchten und Spekulationen vor, indem Sie auf höchstmögliche Transparenz achten”, empfiehlt Neumann. Gehen Sie also am besten frühzeitig auf die Mitarbeiter zu und informieren Sie offen über die Lage. Gehen Sie kritischen Fragen nicht auf dem Weg, denn sonst verstärken Sie die Verunsicherung im Team nur noch weiter.

Identifizieren Sie Ihre eigenen Ängste!
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Wenn es ein richtig ernstes Problem gibt, ist es unvermeidlich, dass Sie die Angst packt. Manche verfallen in Pessimismus, andere wirken wie gelähmt und wieder andere ducken sich einfach weg. Aber wie soll ein Chef seine Mannschaft beruhigen, wenn die eigenen Sorgen derart übermächtig sind? Stärke zeigen können Sie nur, wenn Sie die eigenen Ängste im Griff haben. Neumann rät: “Setzen Sie sich deshalb mit Ihren persönlichen Befürchtungen in der aktuellen Lage auseinander - auch wenn Sie sich damit im Moment gar nicht befassen wollen.”

Auf Mitarbeiter zugehen
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Orientierung und Halt geben - das ist jetzt Ihre Aufgabe. Wie das geht? Betreiben Sie keine Schönfärberei und beschönigen Sie nichts. “Es hat keinen Sinn”, schreibt Neumann, “eine schwierige Lage zu verschweigen. Ihre Mitarbeiter wissen ohnehin um den Ernst der Situation. Versuchen Sie also gar nicht erst, ihnen etwas vorzumachen.”

Bloß nicht: zwischen Tür und Angel!
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Wenn Sie schlechte Nachrichten vermitteln müssen, sollten Sie das nicht zwischen Tür und Angel machen. Neumann rät, sich dafür richtig viel Zeit zu nehmen. „Das gebietet allein schon Ihre Wertschätzung den betroffenen Mitarbeitern gegenüber.”

Eine Handvoll US-Firmen geht ins andere Extrem: unbegrenzter Urlaub. Das bedeutet, dass die Angestellten so viele Tage freinehmen können, wie sie möchten – oder sich trauen. Netflix führte diese Richtlinie im Jahr 2014 ein, andere Unternehmen in Silicon Valley wie Uber und Reddit übernahmen das Konzept. Netflix-Chef Reed Hastings sagte auf der New York Times Dealbook Conference im November, er nehme sich etwa sechs Wochen pro Jahr frei und behandle das „intern ganz offen, um ein gutes Beispiel zu setzen“.

Führungskräfte sollen Vorbild sein
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