Führungskrise in der Deutschen Bank
Der unwürdige Abgang des Josef Ackermann

Josef Ackermann sprach seinen designierten Nachfolgern Jain und Fitschen ziemlich genau vor einem Jahr die Fähigkeit ab, die größte deutsche Bank zu führen. Das haben die beiden Manager ihm nicht vergessen.
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Es ist frostig am Morgen des 2. Februar – draußen auf der Junghofstraße in Frankfurt ebenso wie im Hermann-Josef-Abs-Saal. Dort legt Josef Ackermann gerade die Jahreszahlen der Deutschen Bank für 2011 vor – und der Vorstandschef hat schlechte Laune. Das Investment-Banking hat dem Institut im vierten Quartal einen Verlust beschert und ihm seine Abschlussbilanz verhagelt.

Der Schuldige ist gleich ausgemacht: Anshu Jain, einer der beiden designierten Nachfolger Ackermanns, der auf dem Podium drei Sitze weiter links sitzt. „Die Investmentbank hat die Erwartungen leider nicht erfüllen können“, sagt der Deutsche-Bank-Chef. „Aber andere Bereiche haben die Ziele erfüllt, und das waren nicht Ziele, die wir top down vorgegeben haben.“ Seinen anderen Nachfolger, Jürgen Fitschen, lässt der Schweizer, der an diesem Tag die Fragen der Journalisten vergibt, überhaupt nicht zu Wort kommen.

Es herrscht eine seltsam angespannte Atmosphäre bei der Veranstaltung, die Ackermann als Beginn der Stabübergabe an seine Nachfolger versteht. In der Bank wird das als weiterer Beleg dafür gewertet, dass das Verhältnis zwischen dem scheidenden Chef und der künftigen Führung zerrüttet ist. Denn bei der Machtübergabe nach einer Dekade Ackermann an der Spitze von Deutschlands größter Bank war schon vor der Bilanzpräsentation einiges schiefgelaufen.

Wann genau die Probleme begannen, ist schwer festzumachen. Doch vielleicht ist das Frühjahr 2011 ein guter Zeitpunkt für die Spurensuche, ziemlich genau vor einem Jahr. Ackermann würde zu dem Zeitpunkt am liebsten Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber, auf den er große Stücke hält, zum Nachfolger aufbauen. Das mag beim einen oder anderen Manager aus dem Vorstand schon zu Verstimmungen geführt haben. Für Jain zumindest ist schon damals klar: Wenn er, der mächtige Chef des Investment-Bankings übergangen wird, dann geht er.

Als Ackermann dann in einem Interview seinen Vorständen auch noch indirekt die nötigen Charaktereigenschaften für einen der wichtigsten Führungsposten in der deutschen Wirtschaft abspricht, nehmen ihm das seine selbstbewussten Mitarbeiter übel. Angesprochen auf mögliche fachliche Defizite Webers sagt Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen.“

Kommentare zu " Führungskrise in der Deutschen Bank: Der unwürdige Abgang des Josef Ackermann"

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  • Ich werde so langsam das Gefühl nicht mehr los dass da etwas Übles im Gange ist. Eine Kapazität wie Bänziger abzusägen lässt nichts Gutes vermuten. Die Regierung und die Bundesbank sollten sehr genau hinschauen was da läuft.

  • Ackermann hat einen hervoragenden Job gemacht. Anders als andere Banken es erleben mussten, hat er die Deutsche Bank zusammen mit Risikovorstand Bänziger unbeschadet durch die Krise geführt. Und er hat erkannt das das Investmentbanking langfristig nicht unbedingt hohe Erträge aber dafür umso mehr Risiko bringt.
    Jain (nichts gegen Rendite - eine Bank ist kein Sozialinstitut) hat aus der Krise nichts gelernt. Wohin das führt, unter Ausschaltung des Risikokontrollings eine Bank über das Investmentbanking auf bedingungslosen Wachtumskurs zu bringen kann man sich bei der UBS im Jahr 2008 anschauen, welche anschliessend vom Schweizer Staat gestützt werden musste.
    Und Investmentbanker haben noch ein Problem wie ich immer wieder sehen durfte. Sie wickeln ihr Geschäft hochflexibel mit einer relativ geringen Anzahl Transaktionen ab. Für das Volumen und die notwendige Präzision aber dadurch auch leider die Schwerfälligkeit welche sowohl die Organisation als auch die IT des volumenträchtigen klassischen Bankgeschäfts mit sich bringen muss haben sie kein Verständnis.
    Hoffentlich stellt irgend jemand Jain so schnell wie möglich ein Bein und er fliegt raus - zum Wohle der Deutschen Bank!

  • Wenigstens einer, der sich freut ihn wieder im Reich zu haben.

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