Führungstraining
Bodenhaftung für Manager

Unternehmen machen ihre Talente in Entwicklungsländern führungsfit. Sie lernen, sensibel mit Menschen umzugehen – und einfach mal zu improvisieren.

DÜSSELDORF. Wie man in Afrika Stühle baut und verkauft, damit hatte sich Stefan Radtke bislang nicht befasst. Der 42-Jährige arbeitet sonst als IT-Spezialist in leitender Position bei IBM. Bis ihn seine Firma für einen Monat nach Ghana schickte. In Kumasi, fünf Busstunden von der Hauptstadt Accra, half er einem Schulmöbelfabrikanten, seine Produktionsabläufe zu verbessern und brachte Bauern und Betreiber einer Sojaölraffinerie an einen Tisch. Eine komplett andere Welt.

Radtke gehört zu den ersten 100 Talenten von IBM weltweit, die der Konzern mit dem firmeninternen „Corporate Service Corps“ in ein Entwicklungsland schickte. Zum einen sollen die Manager dort helfen. Zugleich hat Radke, der am Sonntag nach Deutschland zurückkehrte, selbst einiges mitgenommen für seinen Führungsjob: „Gelassenheit zum Beispiel. Wenn bei uns die Dinge nicht so laufen, tun wir alles, um sie wieder auf Spur zu bringen. Doch manches lässt sich einfach nicht übers Knie brechen“, erzählt er.

In den Projekten ging es vor allem darum, die Leute zur Selbstinitiative zu bewegen. „Das erzeugt unglaubliche Motivation“, beobachtete Radtke, der künftig verstärkt auch seine Mitarbeiter anspornen will, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen.



Als Führungspersönlichkeit zu reifen und zugleich Benachteiligten zu helfen – diese Art der Managerentwicklung entdecken immer mehr Unternehmen. Statt die Hoffnungsträger mal einen Tag in einer Suppenküche aushelfen zu lassen, stellen Firmen sie gleich einige Monate frei.

Denn allein unter den Ärmsten und Kranken in Entwicklungsländern landen selbst abgehobene Durchstarter schnell wieder auf dem harten Boden der Tatsachen. Der Praxisschock kann heilsamer sein als so mancher Trockenkurs an teuren Elite-Business-Schools, wo die Manager abgeschottet unter ihresgleichen in herrschaftlichen Anwesen tagen.

Auch die Boston Consulting Group stellt jährlich zehn Berater für sechs bis zwölf Monate frei, damit sie vor Ort weltweite Hilfsorganisationen unterstützen können. Die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und gleichzeitig sozial tätig zu sein, stieß bei IBM jedenfalls auf großes Interesse. 5 000 Mitarbeiter bewarben sich, viele aus Deutschland.

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