Führungswechsel bei Adecco
Der gekaufte Chef

Dieter Scheiff ist bereits der dritte Chef, der sich innerhalb eines Jahres an der Adecco-Spitze versucht. Der 54-Jährige will bleiben – und die weltweite Nummer eins der Personaldienstleister auf Rendite trimmen.

ZÜRICH. Gesichtslos. Der Züricher Vorort Glattbrugg, wo sich ein Bürokomplex an den anderen reiht, könnte überall sein. S-Bahn-Anschluss, Autobahnabfahrt, Flughafennähe sagen: Hier kommst du gut hin und genauso schnell wieder weg.

„Jeder zweite Vorstandschef geht unfreiwillig“, sagt Dieter Scheiff. Er ist das neue Gesicht von Adecco. Er ist der dritte Chef des weltgrößten Zeitarbeitsunternehmens innerhalb eines Jahres. Scheiff will bleiben. Und er will Adecco, jenem Imperium für das täglich 650 000 Arbeitskräfte in 150 000 Unternehmen und 70 Ländern unterwegs sind, ein Gesicht geben, die Margen auf das Niveau der Konkurrenz heben und das Frankreich-Geschäft verbessern.

Die Premiere im Sommer, als Scheiff zum ersten Mal die Ergebnisse präsentierte, ging jedoch daneben, der Kurs fiel nach seinem Auftritt in den Keller. Aber am vergangenen Freitag hat es besser geklappt: Gewinn und Aktienkurs stiegen.

Der 54-Jährige schlägt einen verbindlichen Ton an. Das Jackett hat er abgelegt, die Krawatte gelockert, obwohl es erst früh am Morgen ist. Die dunklen Haare machen auf sympathische Art, was sie wollen. Jazzfan ist er. Die Musik lebt davon, den Mitspielern zuzuhören. Scheiff ist Zuhörer, kein Solist. „Er ist weitgehend frei von Irrationalität und deswegen extrem berechenbar“, hat Reinhard Sprenger einmal über Dieter Scheiff gesagt. Es war Sprenger, der Motivationstrainer und Personalentwickler, der Scheiff für die Zeitarbeitsbranche gewonnen hat.

2001 war das. Scheiff hat bis dahin eine solide Karriere hingelegt. Als Betriebswirt, der neben der Ausbildung das Abendgymnasium und später die Fachhochschule absolviert, gehört Scheiff zu denen, die gelernt haben, sich durchzubeißen. Ende der siebziger Jahre beginnt er bei 3M, einem US-Hersteller von Medizinprodukten. Er bleibt 18 Jahre. Danach wechselt er zum Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson. Schließlich der Einstieg in jene Branche, in der er nun ganz oben gelandet ist. DIS ist das am schnellsten wachsende Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland.

Als Scheiff 2001 dort beginnt, hat die Branche einen Ruf, der „irgendwo zwischen gewerblicher Prostitution und Bestattungsgewerbe rangiert“, wie es das Markenmagazin „brand“ erklärt. Scheiff sieht das nüchterner: „Mitarbeiter brauchen Sicherheit. Unternehmen brauchen Flexibilität. Das zu organisieren ist unsere Aufgabe.“

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