Führungswechsel bei BC Partners
Eine Heuschrecke? Ach was!

Das Horror-Klischee einer „Heuschrecke“ kann Stefan Zuschke nicht bedienen. Eher könnte man den 45-Jährigen mit seinem offenen und sympathischen Lächeln auf den ersten Blick für einen Mediziner halten. Oder den Direktor der örtlichen Bankfiliale. Höflich, intelligent, solide. Doch Zuschke wird ab dem kommenden Jahr an der Spitze des Finanzinvestor BC Partners in Deutschland stehen.

FRANKFURT. Damit repräsentiert er hierzulande einen der größten europäischen Fonds in der nach wie vor im Kreuzfeuer stehenden Private-Equity-Branche. Doch die Chancen stehen gut, dass der gebürtige Stuttgarter mit seinem bodenständigen Auftreten das ein oder andere Vorurteil über seinen Berufsstand ausräumen kann.

Im Private-Equtiy-Geschäft ist der Spitzenmanager eher durch Zufall gelandet. Zuvor hatte sich der Stuttgarter einige Monate als Bäckerlehrling und Restaurantfachmann versucht. Doch beides befriedigt Zuschke nicht, ebenso wenig wie ein kurzer Zwischenstopp bei Mercedes. Schließlich macht er eine Banklehre und studiert Betriebswirtschaft in Reutlingen und Madrid. Über seine Diplom-Arbeit erhält er Kontakt zum Münchener Finanzinvestor Equimark. Dort hinterlässt er so viel Eindruck, dass er gleich einen Job erhält. 1993 wechselt er dann zu BC Partners nachdem er Jens Reidel kennengelernt hat. Der ist seit 1992 Statthalter von BC Partners, wird sich aber ab Januar als Chairman von London aus um Strategie und Koordination kümmern.

Seit 14 Jahren arbeitet Zuschke beim europäischen Private-Equity-Schwergewicht. Erst im Sommer 2005 konnte BC Partners 5,9 Mrd. Euro bei seinen Investoren einsammeln. Zwar sind Konkurrenten wie Permira oder Apax mittlerweile im zweistelligen Milliardenbereich angelangt. Am guten Ruf von BC Partners in der Branche kratzt das nicht. Derzeit verwaltet der Finanzinvestor 14 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 17,5 Mrd. Euro. Darunter beispielsweise in Deutschland den Chemikalien-Händler Brenntag und – gemeinsam mit Apollo – die Kabelfirma Unitymedia.

Viele der Deals hat Zuschke eingefädelt wie etwa den Kauf des Energie-Dienstleisters Techem, die Übernahme des Medienunternehmens Telecolumbus und auch den Erwerb des Armatur-Herstellers Grohe. Dieser gilt vielen als Paradebeispiel für das Versagen von Finanzinvestoren. Doch was viele nicht wissen: Zu den Standortschließungen kam es erst nach dem Weiterverkauf des Unternehmens an TPG und Credit Suisse. Heute ist Grohe zudem wieder auf Kurs.

Zuschke weiß, dass er seinen neuen Posten angesichts der Finanzkrise in schwierigen Zeiten antritt. Selbst große Fonds bekommen von den Banken kaum noch die hohe Kredite, um Zukäufe zu schultern – und so ihre hohen Renditen zu erreichen. „Aber der Markt wird sich berappeln“, gibt sich der Manager zuversichtlich.

Mehr Sorgen bereitet die neue Konkurrenz aus Asien oder dem Nahen Osten. „Wir werden noch kreativer und aggressiver sein müssen“, prophezeit Zuschke. Feindliche Übernahmen seien aber auch künftig für BC Partners ein Tabu.

Seine Frau und die drei in Hamburg aufgewachsenen Kinder sollen trotz der neuen Funktion nicht zu kurz kommen. „Familie ist wichtig“, meint der vom Fußball und Tennis begeisterte Manager. „Wir sind keine Maschinen und wollen nicht sieben Tage die Woche ackern.“ Zuschke liebt klassische Musik, spielt Klavier und findet nach eigenem Bekunden sogar regelmäßig am Sonntag Zeit, selbst Fußball zu spielen. „Irgendwann braucht man seine Auszeit“, meint der FC-Bayern-Fan. „Und die nehmen wir uns auch.“

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%