Führungswechsel bei EADS
Louis Gallois: Der behutsame Modernisierer

EADS bekommt einen neuen Co-Chef. Nachdem sich Noël Forgeard durch umstrittene Aktiengeschäfte und Lieferverzögerungen beim Airbus A380 ins Abseits manövriert hat, rückt nun ein Eisenbahner nach: Louis Gallois von der französischen Staatsbahn SNCF. Er hat dort Großes geleistet.

DÜSSELDORF. Wenn es um die Nachfolge von EADS-Co-Chef ging, ist in den vergangenen zwei Wochen immer wieder ein Name gefallen: Louis Gallois. Seit dem späten Sonntagnachmittag ist es offiziell: Gallois soll zusammen mit dem Deutschen Tom Enders den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS führen.

Zumindest zwei Voraussetzungen erfüllt er dabei problemlos: Gallois hat Erfahrung im Führen von Unternehmen, bei denen sich gelegentlich die Politik einmischt. Seit 1996 stand er an der Spitze der französischen Staatseisenbahn. Und Gallois kennt auch EADS. Bereits seit sechs Jahren gehört er dem Board of Directors der EADS an.

Der 62-Jährige kann auch auf weitere Erfahrungen in der Luft- und Raumfahrtbranche zurückgreifen. Von 1989 bis 1992 war Gallois Chairman und CEO des französischen Triebwerkherstellers Snecma (heute Safran), von 1992 bis 1996 Chef von Aerospatiale, einem Vorgängerunternehmen der EADS.

Weniger Streiks

Bei SNCF hat Gallois sich ein Image als behutsamer Modernisierer aufgebaut. Er setzte unter anderem eine Tarifreform durch, mit der es der Eisenbahngesellschaft gelang, für neue Kunden wie Familien und junge Leute attraktiv zu werden. Sein Ziel war es zu zeigen, „dass ein Staatsunternehmen genauso effizient sein kann wie ein privates, gleichzeitig aber die Aufgaben des öffentlichen Dienstes erfüllt“. Dieses Ziel verfolgte er vorsichtig, aber bestimmt.

Unter seiner Führung reduzierte sich auch die Zahl der Streiks bei SNCF deutlich. Vermutlich ist ihm in Gesprächen mit den Gewerkschaften zugute gekommen, dass er als langjähriger Parteigänger der Sozialisten gilt und einer der wenigen verbliebenen namhaften „linken Patronen“. Da er in viele seiner Posten von den Sozialisten gehievt wurde, hat er sich wohl diesen Ruf erworben.

Der neue EADS-Co-Chef hat einen für französische Manager in Staatsbetrieben durchaus typischen Werdegang. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften und einem Abschluss an der Elite-Verwaltungshochschule ENA verbrachte er mehrere Jahre in Ministerien – unter anderem als Kabinettschef im Verteidigungsministerium.

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