Führungswechsel
Parkhauskönig Fischer tritt ab

16 Jahre lang führte Peter Fischer den Stuttgarter Parkhausbetreiber Apcoa und baute das Unternehmen von einem Lokalanbieter zum europäischen Branchenführer aus. Nun verlässt er von einem Tag auf den anderen den Chefsessel. „Man muss auch mal loslassen können“, sagt der Parkhaus-König.

STUTTGART. Der größte europäische Parkhausbetreiber, Apcoa tauscht völlig überraschend seine Führungsspitze aus. Der langjährige Unternehmenschef Peter Fischer (56) wechselt zum 1. März in den Beirat von Apcoa. Sein Vorstandsvertrag lief noch bis Ende 2010.

Aus dem Umfeld des Unternehmens war zu hören, dass der vor einem Jahr eingestiegene französische Finanzinvestor Eurazeo das Wachstum von Apcoa noch weiter beschleunigen wolle. Fischer sei mit seinem gewaltigen Kontaktnetzwerk im Beirat besser aufgehoben als im Management. Allein die Integration der jüngsten drei Zukäufe von Apcoa binde viel Zeit. Fischer, der Apcoa 16 Jahre lang führte, könne seine Stärken als Geschäftsanbahner im Beirat voll ausnutzen.

Fischer gab sich am Donnerstag entspannt. „Man muss auch mal loslassen können“, sagte der Manager dem Handelsblatt. „Ich bin jetzt seit 28 Jahren bei Apcoa und der heutige Tag ist ein gewaltiger Einschnitt für mich. Aber wenn ich diesen Schritt jetzt machen kann, ohne dem Unternehmen zu schaden, dann mache ich ihn.“

Er habe bereits seit Oktober mit dem Eigentümer Eurazeo bereits im Oktober über eine personelle Veränderung gesprochen, sagte Fischer. Er habe uneingeschränktes Vertrauen in seinen Nachfolger Friedrich Schock (52), der seit 2003 als Chief Operating Officer (COO) im Vorstand von Apcoa arbeitet. „Ich habe Schock damals selbst ins Unternehmen geholt, das ist ein exzellenter Mann“, sagte Fischer. Sein eigener Vertrag laufe zwar bis 2010 weiter, aber seinen Tagesablauf bestimme er nun selbst. „Ich muss mich nicht mehr im Tagesgeschäft aufreiben“, sagte Fischer. „Aber ich werde immer da sein, wenn Apcoa mich braucht.“

Neben dem Vorstandswechsel gab Apcoa am Donnerstag auch eine zweite Personalie bekannt. Der Apcoa-Finanzverstand Daniel Wiest (44) hat das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Durch die Berufung von Schock habe Wiest seine Ambitionen auf den Chefsessel begraben müssen, hieß es bei Apcoa. Wiest, der seit drei Jahren im Unternehmen war, sei jedoch von chancenlos gewesen. „Der Mann ist ein begnadeter Finanzvorstand“, sagt Fischer. „Aber das heißt nicht, dass er für das operative Geschäft der Richtige ist.“

Apcoa ist mit 1,2 Millionen Parkplätzen in 15 Ländern der größte europäische Parkplatzbetreiber. Das Unternehmen beschäftigt 4 700 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 590 Mill. Euro. Das Ergebnis für das Jahr 2007 liegt noch nicht vor. 2006 wurde bei 490 Millionen Euro Umsatz ein Vorsteuerergebnis (Ebitda) von rund 60 Millionen Euro erzielt.

Der französische Finanzinvestor Eurazeo übernahm Apcoa im Februar 2007 von dem arabischen Finanzinvestor Investcorp. Der Kaufpreis lag bei 885 Millionen Euro. Dabei hatte Investcorp nur drei Jahre zuvor lediglich 265 Millionen Euro für Apcoa gezahlt. Der damalige Verkäufer, die Energie Baden-Württemberg, musste bei der Transaktion viel Kritik einstecken. Wütende EnBW-Aktionäre warfen dem damaligen EnBW-Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen vor, Apcoa zum Schleuderpreis verscherbelt zu haben. Claassen schied im September 2007 bei der EnBW aus, noch bevor seine erste Amtszeit ausgelaufen war.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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