Führungswechsel Unicredit
Ein bisschen Profumo bleibt

Nach dem abrupten Abgang von Alessandro Profumo steht Unicredit vor einem Führungswechsel. Zunächst wirk der neue Unicredit-Chef Federico Ghizzoni wie der Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Doch er ist durch ihn geprägt: Er war sein Stellvertreter.
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MAILAND Der Ort konnte nicht passender gewählt sein: Der Verwaltungsrat der italienischen Großbank Unicredit hat gestern in Warschau den Osteuropa-Chef und Vize-CEO Federico Ghizzoni zum neuen Vorstandsvorsitzenden gekürt. Die Wahl fiel auf den 55-Jährigen, weil er stärker als seine Konkurrenten für die internationale Ausrichtung der Bankengruppe steht. So gehört Unicredit in Polen mit der Bank Pekao das größte Institut des Landes.

Neun Tage nach dem abrupten Abgang von Alessandro Profumo steht damit die neue Führungsfigur fest. Zuletzt hatte auch die italienische Notenbank Druck gemacht, rasch einen Nachfolger zu finden, da der Verwaltungsratspräsident Dieter Rampl den Chefsessel nur vorübergehend übernehmen sollte. Die Entscheidung über den neuen Posten eines Generaldirektors, der unter dem CEO angesiedelt ist, hat Unicredit verschoben.

Mit Ghizzoni übernimmt eine Person das Amt, die das völlige Gegenteil von Profumo darstellt: Während der ausgeschiedene Bankchef und Ex-McKinsey-Manager sein Charisma und seine Selbstsicherheit offen zur Schau trägt, kommt Ghizzoni mit seinem schütteren Haar und seiner leisen Stimme eher unscheinbar und fast bescheiden daher. Nicht bei einer großen angelsächsischen Beratungsfirma begann der Jurist seine Karriere, sondern in einer einfachen Filiale. Doch trotz aller Bescheidenheit ist Ghizzoni weit gekommen. Erst im Frühjahr hat ihn Profumo zu einem von vier Stellvertretern ernannt.

Ghizzoni ist so unauffällig, dass auch bei den Spekulationen über die Profumo-Nachfolge kaum jemand auf ihn getippt hatte. Lange galt der Verantwortliche des Retail-Bankings Andrea Nicastro als heißester Kandidat. Doch Nicastro schied wegen seiner schlechten Performance aus. Schließlich verliert das Geschäft mit den Privatkunden in Italien Geld. Ghizzonis Reich jedoch, das von Bulgarien bis nach Kasachstan reicht, trug im ersten Halbjahr mehr als die Hälfte der Gruppengewinne bei.

Im Gegensatz zu anderen Banken wie Barclays übernimmt bei Unicredit kein Investmentbanker die Spitzenposition, sondern ein Banker, der das Geschäft mit den privaten Kunden und den Firmen von ganz unten kennt. Seine Bank-Karriere begann Ghizzoni vor 30 Jahren in seiner Geburtsstadt Piacenza. Vor rund zehn Jahren folgte mit Polen seine erste Auslandsstation bei Unicredit. Fünf Jahre später übernahm er das Osteuropa-Geschäft.

Ghizzoni galt als Vertrauter Profumos, und mit seiner Ernennung rettet der Verwaltungsratspräsident Rampl auch ein wenig das Erbe des Ex-Chefs. Beobachter beschreiben Ghizzoni als "diplomatisch". Das könnte ihm beim schwierigen Umgang mit den mächtigen Sparkassenstiftungen helfen. Die waren als Großaktionäre am Abschuss Profumos wesentlich beteiligt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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