Fünf Fragen an Wilhelm Haarmann
„Deutschland gerät ins Hintertreffen“

Deutschland steht nach Ansicht von Wilhelm Haarmann insbesondere im Venture-Capital-Bereich sehr schlecht da. Aber auch im übrigen Private-Equity-Bereich gibt es im Vergleich zu anderen Ländern Verbesserungsbedarf, meint der Rechtsanwalt, steuerberater und Berater des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Frage: Brauchen wir ein Private-Equity-Gesetz?
Haarmann: Es wäre gut, wenn wir ein solches Gesetz hätten, vorausgesetzt , dass der Inhalt gut ist. Es besteht Regelungsbedarf in vielfältiger Hinsicht: Zum einen ist das Unternehmensbeteiligungsgesetz zu novellieren, insbesondere sind die Beschränkungen hinsichtlich der Investitionsmöglichkeiten aufzuheben. Dann sind im steuerrechtlichen Bereich insbesondere für die Venture-Capital-Fonds Regelungen zur Transparenz ihrer Besteuerung und zur Nutzung von Anlaufverlusten von jungen, wachsenden Unternehmen vorzusehen.

Wie schneidet Deutschland in puncto Rahmenbedingungen im europäischen Vergleich ab?
Deutschland steht insbesondere im Venture-Capital-Bereich sehr schlecht da. Aber auch im übrigen Private-Equity-Bereich gibt es im Vergleich zu anderen Ländern Verbesserungsbedarf. Häufig ist es nur die Unsicherheit und fehlende Klarheit hinsichtlich der steuerlichen Situation, die Deutschland ins Hintertreffen bringt.

Besteht die Gefahr, dass es ein Private-Equity-Strafgesetz und ein Venture-Capital-Fördergesetz geben wird, weil man unerwünschte und erwünschte Fonds unterschiedlich behandeln will?
Ich glaube nicht, dass es dazu kommt. Dagegen sprechen zahlreiche Gründe: Erstens sind Venture- Capital und Private Equity keine Gegensätze und lassen sich nicht sinnvoll voneinander abgrenzen. Und zweitens: Wenn Private Equity "bestraft" werden soll, werden alle Private-Equity-Fonds ins Ausland gehen, wo Deutschland sie nicht bestrafen kann. Drittens gilt: Wer Private Equity stärker regulieren möchte, muss alles tun, damit die Fonds im Inland sind, da nur so die Regulierung möglich ist. Im Ergebnis glaube ich daher daran, dass man alles tun wird, um Deutschland für Private-Equity- Fonds attraktiv zu machen.

Wo sind für Sie die entscheidenden Stellschrauben?
Wir benötigen klare Regeln zur transparenten Besteuerung von Fonds selbst und des überproportionalen Gewinnanteils von Initiator, Sponsor und Management des Fonds. Daneben ist die Verlustnutzung bei wachsenden Beteiligungsunternehmen neu zu regeln.

Wird die Unternehmensteuerreform der Branche helfen?
Die Senkung der Unternehmen-steuern ist sehr zu begrüßen. Nachteilig können sich die Bestimmungen zur Fremdfinanzierung auswirken. Die Nichtabziehbarkeit von Zinsen macht Investitionen in vielen Fällen uninteressant. Wir müssen auf die genaue Formulierung achten.

Die Fragen stellte Frank M. Drost.

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