Für seine neue Aufgabe bei Karstadt-Quelle nimmt Hans Reischl einen Eklat im eigenen Haus in Kauf
"Mister Rewe" geht im Streit

Mehr Nebelkerzen hätte Rewes Pressestelle am Mittwoch kaum werfen können. „Die Trennung vom Unternehmen erfolgt in Freundschaft und Dankbarkeit“, hieß es in der Mitteilung für Presse, Funk und Fernsehen um Harmonie bemüht.

DÜSSELDORF. „Die Trennung vom Unternehmen erfolgt in Freundschaft und Dankbarkeit“, verbreitete der Kölner Konzern am Morgen unter einer Überschrift, die selbst viele im eigenen Haus überraschte: „Hans Reischl scheidet aus der Rewe aus“. Die längliche Mitteilung „für Presse, Funk und Fernsehen“ bemühte sich um Harmonie. Der Rewe-Aufsichtsrat, hieß es dort, eröffne Reischl damit „die konfliktfreie Übernahme künftiger Aufgaben und Engagements außerhalb der Gruppe“.

Tatsächlich war es am Abend zuvor in der Kölner Domstraße zwischen Reischl und dem von Klaus Burghard geführten Aufsichtsrat zum Eklat gekommen. Reischls geplanter Nebenjob im Aufsichtsrat des Wettbewerbers Karstadt-Quelle sei nicht akzeptabel, beschieden die Kontrolleure ihrem langjährigen Vorstandsvorsitzenden (Handelsblatt vom 28.4.2004). Daraufhin warf der 64-jährige Handelsmanager, der erst Ende Dezember in den Ruhestand gehen sollte, den Job hin. Zur Arbeit erschien Reischl, dessen Vertrag nun offiziell zum 30. April endet, gestern bereits nicht mehr.

Keine Abschiedsfeier, nicht einmal ein Blumenstrauß. Für Deutschlands dienstältesten Manager an der Spitze eines Handelskonzerns, der die verschlafene Kölner Genossenschaft in den vergangenen 27 Jahren zum drittgrößten Lebensmittelhändler Europas gemacht hat, könnte der Abschied kaum bitterer sein.

Schon im Februar zeichnete sich ab, dass es zwischen „Mister Rewe“ und seinem Aufsichtsrat nicht mehr zum Besten steht. Ohne den Vorstandschef zu konsultieren, hatte sich eine kleine Arbeitsgruppe innerhalb des Kontrollgremiums an die Arbeit gemacht, um einen Nachfolger für ihn zu suchen. Dem mächtigen Konzernherren, der als Industriekaufmann startete und als Rewe-Genossenschaftler Millionen anhäufte, werfen viele selbstständige Rewe-Händler vor, er habe sich nicht genug an genossenschaftliche Grundsätze gehalten. Das behaupten zumindest Insider. Statt sparsam mit den Firmenmitteln umzugehen, kaufte Reischl in fremden Branchen zu. Die riskanten Engagements kosteten Rewe Millionen. Die Anteile an Kirch Media, die er vor vier Jahren im Tausch gegen eine 40-Prozent-Beteiligung an Pro Sieben erhalten hatte, musste er abschreiben. Kurz vor dem Absturz von Kirch Media hatte er Leo Kirch noch als einen der wenigen gelobt, „mit denen man noch Geschäfte auf Zuruf vereinbaren kann“.

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