Fusion mit Pro Sieben Sat.1? Wie sich Friede Springer die Macht sichern will

Eigentlich ist die KGaA eine der seltensten Formen, in denen deutsche Unternehmen auftreten – an der Börse sind es keine 20. Doch die Kommanditgesellschaft auf Aktien wird attraktiver – auch für Friede Springer.
4 Kommentare

ProSieben-Springer-Fusion: Wo liegen die Stolpersteine?

FrankfurtFriede Springer hat unmissverständlich klar gemacht, was sie will: „Die Kontinuität der Kontrolle“ bei dem Berliner Medienkonzern, der nach ihrem verstorbenen Mann benannt ist, sei ihr wichtigstes Ziel, erklärte das Unternehmen. Deshalb will sie das Erbe der Familie, die Axel Springer SE, in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umwandeln. Daran ändert auch der Flirt mit dem Fernsehriesen Pro Sieben Sat.1 nichts.

Die KGaA, eigentlich eine der seltensten Formen, in denen deutsche Unternehmen auftreten, kommt in Mode. Nur eine kleine dreistellige Zahl gibt es überhaupt, an der Börse sind es weniger als 20 – aber allein vier davon sind im Leitindex Dax gelistet.

Das ist kein Zufall: „Die KGaA ist ein elegantes Mittel, um als Familie trotz Börsennotiz die Kontrolle zu behalten“, erklärt Lars-Gerrit Lüßmann von der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing, der mehrere große Unternehmen bei der Umwandlung in eine SE & Co KGaA beraten hat. „Sie ist auch ein wirksamer Schutz vor einer feindlichen Übernahme.“

Der Gesundheitskonzern Fresenius, seine Tochter FMC, der Waschmittelkonzern Henkel und der Pharmakonzern Merck sind schon Kommanditgesellschaften auf Aktien, auch die Aktionäre der Baumarktkette Hornbach stimmten am Freitag einer Umwandlung zu. Bisher waren nur die bei ausländischen Anlegern ungeliebten Vorzugsaktien der Hornbach Holding an der Börse notiert. Für die Eignerfamilie Hornbach ist die KGaA die Antwort auf die Frage, wie sie die Vorzugsaktien abschaffen und dem Unternehmen damit mehr Gewicht an der Börse verleihen könnte, ohne die eigene Vormachtstellung zu gefährden.

Das bringen die Medienriesen auf die Waage
Gehen die Medienkonzerne zusammen?
1 von 11

Das Verlagshaus Axel Springer und die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 prüfen eine Fusion. Eine Idee mit Geschichte: Bereits 2006 hatte die Axel Springer AG versucht, Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen, scheiterte jedoch am Einspruch des Bundeskartellamts. Die Wettbewerbshüter störten sich an einer zu großen Medienkonzentration unter einem Dach.

Axel Springer und Print
2 von 11

Neben der auflagenstärksten Tageszeitung Deutschlands, der „Bild“, und der Zeitung „Die Welt“ als Print-Flaggschiffe erscheinen bei Axel Springer weiterhin zahlreiche nationale wie internationale Publikationen. Dazu gehören mit dem Boulevardblatt „Fakt“ beispielsweise die größte Tageszeitung Polens oder mit der „Handelszeitung“, die größte Schweizer Wirtschaftszeitung. Aufsehen erregte im Mai 2014 der Verkauf der traditionsreichen regionalen Tageszeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“, sowie mehrerer Programm- und Frauenzeitschriften für 920 Millionen Euro an die Funke-Mediengruppe.

Zeitschriften
3 von 11

Bei Zeitschriften dominieren vor allem die zahlreichen „Bild“-Ableger von „Auto-Bild“ bis „Computer-Bild“ in Deutschland. Ein gutes Beispiel für die Medienmacht des Verlags bieten die Musikzeitschriften: Bereits seit 13 Jahren sind die ehemaligen Konkurrenten „Musikexpress“ und „Rolling Stone“ unter dem Dach von Axel Springer vereint – gemeinsam mit dem Alternativ-Magazin „Metal Hammer“, das sich an ein Metal- und Hard-Rock-affines Publikum richtet. Auch in der Schweiz ist der Springer-Konzern noch mit zahlreichen Publikationen zu diversen Themen und Programmzeitschriften vertreten. Den Schwerpunkt legt der Verlag aber nicht erst seit dem Geschäft mit Funke auf die Expansion im Multimedia- und Onlinebereich.

Expansion in die digitalen Medien
4 von 11

Von seinen teils langjährigen Beteiligungen an zahlreichen regionalen Zeitungen und Verlagen trennt sich Springer seit 2009 systematisch. Dafür expandiert der Verlag immer stärker in den digitalen Medien. Mit finanzen.net betreibt der Konzern mittlerweile das führende deutsche Börsenportal. Über seine Tochter Smarthouse Media entwickelte er außerdem die Internetauftritte von Großbanken wie der BNP Paribas, der Royal Bank of Scotland und der Deutschen Bank oder Konzernen wie MAN.

News für Fußball-Fans
5 von 11

Von 2011 bis 2014 erwarb der Verlag Anteile beispielsweise an dem Online-Shop-Betreiber Visual Meta, dem Neuwagenportal autohaus24.de und übernahm zu 100 Prozent die Allesklar.com AG, Betreiber des Portals meinestadt.de, das Informationen für über 11.000 deutsche Städte anbietet. Auch das bekannte deutsche Fußballportal transfermarkt.de gehört zu 51 Prozent dem Axel Springer Verlag.

Privates Radio
6 von 11

Auch zahlreiche Radio-Beteiligungen nennt der Verlag sein Eigen. Zu 100 Prozent gehören beispielsweise die Sender Antenne 1 aus Baden-Württemberg oder Radio NRW zu Axel Springer. Der Konzern ist an privaten Radiosendern in der gesamten Republik, von Bayern bis Berlin, meist direkt beteiligt.

N24 und Talpa Germany
7 von 11

Seit 2013 gehört der Nachrichten- und Infotainmentsender N24 zum Springer-Imperium und ist mit der „Welt“-Gruppe zusammengeführt. Bis 2016 steht N24 vertraglich als Nachrichtenlieferant für die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 fest. Künftig soll der Sender auch die Marke „Welt“ im Namen tragen. Im Fernsehgeschäft ist Axel Springer bereits seit 1999 aktiv. Ein Jahr vor der Jahrtausendwende wurde der Verlag alleiniger Gesellschafter der Produktionsfirma Schwartzkopff TV-Productions und produzierte über diese vor allem Talkshows („Andreas Türck“ oder „Kerner“) sowie Doku-Dramen und Doku-Soaps. 2004 übernahm die Produktionsgesellschaft Talpa Media 49,9 Prozent an Schwartzkopff, die Firma wurde im Zuge dessen in Talpa Germany umbenannt. Ende Juni übernahm Talpa das Unternehmen komplett.

Springer ist seit Monaten dabei, sich die Rechtsform einer KGaA zu geben. Damit sollte sichergestellt werden, dass die mit 57 Prozent beteiligte Verlegerwitwe auch bei Kapitalerhöhungen die Macht über den Konzern behielte. Auf diesen Einfluss würde sie auch in einem fusionierten Zeitungs-, Fernseh- und Internet-Konzern pochen - auch wenn ihre Beteiligung sich, gemessen an den Börsenwerten von Pro Sieben Sat.1 und Springer, auf weniger als 20 Prozent verwässern könnte.

„Rechtlich ist alles machbar“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Fusion mit Pro Sieben Sat.1? - Wie sich Friede Springer die Macht sichern will

4 Kommentare zu "Fusion mit Pro Sieben Sat.1?: Wie sich Friede Springer die Macht sichern will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ traunstein:

    Nein, die zweitbeste. Die beste soll die Ex-Sekretärin und Witwe Liz Mohn sein (Bertelsmann).

  • Zum Machterhalt in der Tat brauchbar, die KGaA.

    Andererseits beschränkt sich die Macht der (freien) Aktionäre. Dabei sollen sie doch die Finanzierung billig machen und dabei die Haftung weitgehend tragen.

    Somit bleibt fraglich, ob die gute Friede da so eine gute Idee hat - sollte sie den verwirklicht werden, könnte der Kurs leiden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 


  • BILD WELT und bald PRO7 SAT1 überall Verdummung und MAnipulation. PFUI !

    Frau Merkels beste Freundin ..... :-(

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%