Fusion? Umgekehrt!
Ende einer Ehe mit Gütertrennung

In der Wirtschaft sind Eheschließungen populärer als Scheidungen. Doch auch in der Partnerschaft zwischen zwei Firmen kann es zu unüberbrückbaren Differenzen kommen, wie jüngst im Fall Daimler-Chrysler. Die Trennung funktioniert dann ähnlich wie eine Fusion – nur rückwärts.

DÜSSELDORF. Fusionen werden gerne lautstark gefeiert. So geschah es 1998, als der damalige Chef des Autoherstellers Daimler-Benz, Jürgen Schrempp, den Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Chrysler bekannt gab. Wenn Beziehungen hingegen scheitern, werden meistens leisere Töne angeschlagen: Neun Jahre verbrachte Daimler zusammen mit Chrysler, in der vergangenen Woche wurde das Ende der „Traumehe“ verkündet.

Nun steht bei Daimler-Chrysler die Trennungsphase an – ein Prozess, den andere Firmen schon hinter sich haben. Adidas entledigte sich 2005 dem ungeliebten Zukauf Salomon. Konzerne wie Bayer und Siemens haben in den vergangenen Jahren große Teile ihres Geschäfts abgespalten und in eigenständige Firmen ausgegliedert. „Trennungen funktionieren im Prinzip genauso wie Fusionen, nur eben umgekehrt“, sagt Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers and Acquisitions.

Das heißt auch: Der Aufwand kann groß sein – das zeigt sich schon in der Frühphase einer Scheidung, wenn Käufer ermittelt werden. Dabei ist es wichtig, sagt Lucks, dass „es mehrere Kaufinteressenten gibt, um sich als Verkäufer nicht erpressbar zu machen“.

Danach laufen zwei parallele Prozesse ab – die rechtliche und strukturelle Trennung und die Kontaktaufnahme mit den potenziellen Käufern. „In der Regel werden einem Interessenten sechs Wochen exklusive Verhandlungen angeboten“, weiß Lucks. Denkbar sei aber auch eine Auktion mit mehreren Kaufinteressenten, dabei sei es aber schwieriger, die Trennung geheim zu halten.

Für beide – Käufer und Verkäufer – geht es in dieser Phase um „Wert und Werte“. Also um den Kaufpreis einerseits, aber auch um Firmenphilosophien und -kompatibilität andererseits. Für diesen Prozess wird in der Regel eine Art Trennungskomitee gebildet, das einen Desintegrationsplan erstellt und direkt dem Vorstand unterstellt ist, erläutert Thomas Schulz, Experte für Übernahmen und Desinvestitionen bei der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. Insgesamt „dauert es rund ein halbes Jahr, bis eine Trennung im Groben vollzogen ist“.

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