Fusionen und Übernahmen
Familienfirmen suchen Wachstumsmärkte

Die Welle von Fusionen und Übernahmen rollt auch in diesem Jahr ungebremst - für Schlagzeilen sorgen meist aber nur die großen Milliardendeals. Dabei entfällt ein Großteil der Zahl der Übernahmen auf den mittelständischen Sektor. Experten schätzen den Anteil auf 70 bis 80 Prozent.

DÜSSELDORF. Allerdings sind die Volumen der mittelständischen Fusionen und Übernahmen vergleichsweise klein. Nach Schätzung des Analyseunternehmens M&A Global entfielen auf Übernahmen in einer Größenordnung unter 500 Mill. Euro zuletzt nur rund ein Drittel des gesamten Marktes. Mega-Übernahmen wie der Kauf der Schweizer Biotechfirma Serono durch das börsennotierte deutsche Familienunternehmen Merck kommen selten vor.

Denn sie sind riskant für eine Unternehmerfamilie, deren Ziel die langfristige Sicherung des Vermögens ist: "Wenn eine Großinvestition schief läuft, ist das Fortbestehen als unabhängiges Unternehmen stark gefährdet", erläutert der Münchener Unternehmensberater Frank Raffel. -Christian Zugleich stoßen Familienunternehmen schnell an finanzielle Grenzen, da ihnen der Zugang zu Kapital über die Börse fehlen.

Viele Familienunternehmen setzen daher eher auf kleinere Zukäufe in wachstumsstarken Märkten, in denen sie neue Chancen ergreifen wollen - dieses Muster zeigt sich auch bei der Übernahme von Deuter durch Schwan-Stabilo.

Der Duisburger Mischkonzern Haniel gilt als Paradebeispiel für ein altes Unternehmen, das fast regelmäßig aus angestammten, aber schwächelnden Geschäften aussteigt und in ganz andere Märkte vordringt, von denen man sich mehr Wachstum verspricht. Im Wettbewerb um attraktive Kaufobjekte haben Familienunternehmen Trümpfe in der Hand: "Übernahmen in diesem Sektor laufen meist sehr vertraulich zwischen den Unternehmerfamilien ab", sagt Jürgen Brink von Intes Brink Boos & Partner. Zugleich verspricht sich mancher Firmenbesitzer, mit einem Verkauf an ein Familienunternehmen sein Lebenswerk in gute Hände zu geben. "Man vertraut darauf, dass der neue Besitzer nicht aggressiv restrukturiert und nicht sofort die halbe Belegschaft entlässt."

Doch gerade diese Zurückhaltung kann ein großer Nachteil beim Buhlen um Kaufobjekte sein - spätestens seit dem Boom der Finanzinvestoren in Deutschland. Denn Private-Equity-Firmen sind in der Lage, wesentlich höhere Preise zu bezahlen. Das liegt an ihrer Strategie: Sie engagieren sich meist für drei bis fünf Jahre und leiten nach dem Kauf eine schnelle und kräftige Kostensenkung ein. Gerade bei Kaufobjekten im Volumen von 200 Millionen bis zu einer Mrd. Euro ständen Familienunternehmen in direkter Konkurrenz zu Private Equity, erläutert Brink.

Als Schwachpunkt sehen Experten bei Familienunternehmen mangelnde Professionalität bei der Integration neuer Firmen. Oft läuft dies hemdsärmelig und ohne Plan ab: "Mittelständische Käufer messen den Instrumenten des Post-Merger-Managements weniger Bedeutung bei", sagt Stephan Jansen, Professor an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Erfolgreiche Integration und intensive Prüfung vor dem Kauf seien aber gerade für Familienunternehmen entscheidend, um durch einen Zukauf nicht die Unabhängigkeit zu gefährden, ergänzt Raffel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%