Fusionen und Übernahmen
Firmenehen: Die Braut, der man nicht traut

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet – ob sich nicht noch was Bessres findet.“ Nach Monaten des Zauderns wagen sich erste Unternehmen wieder auf Brautschau. Zumindest in der Pharmabranche mehren sich die Meldungen von Übernahmen. Die Gelegenheit für Firmenehen scheint günstig. Doch Vorsicht: In der Mitgift des Partners können Zeitbomben ticken.

DÜSSELDORF. Der amerikanische Pharmakonzern Merck & Co. will für rund 41,1 Mrd. Dollar den Konkurrenten Schering-Plough kaufen und so zum weltweit zweitgrößten Arzneimittelhersteller hinter Pfizer aufsteigen. Die Gelegenheit für Firmenhochzeiten scheint günstig. Schließlich sind Wettbewerber vom Börsenwert her zurzeit oft für die Hälfte des Brautgelds zu bekommen – anders als vor der Krise.

„Jetzt öffnet sich ein historisches Zeitfenster, das sich im Aufschwung wieder schließt“, sagt Günter Müller-Stewens, Professor für Strategisches Management an der Universität St. Gallen. Das sieht auch der Medienkonzern Axel Springer so und will bewusst antizyklisch investieren. „Wir werden die vermutlich einmalige Chance nutzen, attraktive Assets zu sehr günstigen Bewertungen zu erwerben“, verkündete gerade erst Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienkonzerns. An Finanzkraft mangelt es dem Unternehmen nicht.

Nicht nur Große wollen die Gelegenheit beim Schopfe fassen. Auch Mittelständler wie der ostwestfälische Fleischwarenhersteller Reinert sind expansionshungrig. Firmenchef Hans-Ewald Reinert hat bereits „so manches Schnäppchen“ in der Branche ausgemacht. Er will bewusst zukaufen, „um am Ende der Krise auf dem Siegertreppchen zu stehen“.

Dennoch scheuen die meisten Unternehmen den Gang zum Altar. Viele sind selbst wirtschaftlich so angeschlagen, dass sie sich auf ein Abenteuer derzeit nicht einlassen können. Kaspar Rorsted zum Beispiel, Vorstandschef des Konsumgüterkonzerns Henkel, hat das Budget für Zukäufe gerade eingefroren.

Bei Fusionen und Übernahmen (M&A) ist derzeit im deutschsprachigen Raum ein extremer Rückgang zu verspüren, bestätigt Müller-Stewens, der auch Herausgeber der Monatszeitschrift „M&A Review“ ist. Das Jahr 2008 lief noch relativ gut. Insgesamt wurden 1 191 Transaktionen mit Beteiligung eines deutschen Unternehmens als Käufer, Objekt oder Verkäufer getätigt – ein Minus von sechs Prozent zum Vorjahr. Auffällig ist der Trend zu kleineren Transaktionen. „Das durchschnittliche Volumen pro Deal ist deutlich gesunken, sofern überhaupt noch Kaufpreise bekanntwerden“, sagt Müller-Stewens.

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