Fußball-WM zappelt im Netz dubioser Händler
Fifa kann Handel mit WM-Domains nicht stoppen

Wer sich dieser Tage im Internet unter www.wm2006.de über die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland informieren möchte, reibt sich verdutzt die Augen: Statt einer offiziellen Seite der Fédération Internationale de Football Association (Fifa) oder zumindest des Deutschen Fußballbundes (DFB) findet man dort eine bunte Auflistung aller Weltmeisterschaften, die im Jahre 2006 über den Globus verteilt stattfinden. Die deutsche Fußball-WM rangiert irgendwo zwischen der "Bumerang-WM" im japanischen Hokkaido und der "Kirschkernweitspuck-WM" in Düren.

GARMISCH. Die Website www.wm2006.de ist kein Einzelfall. Mehrere hundert Domains rund um das wichtigste nationale Sportereignis dieses Jahrzehnts werden derzeit im Internet zum Kauf angeboten und wechseln schnell den Besitzer. "In den letzten Monaten wurden über unser Internetportal beispielsweise die Adressen www.fußball.com für 20 000 Euro, www.fußballweltmeisterschaft.de für 2500 Euro und www.wm06.com für 1 100 Euro verkauft", bestätigt Geschäftsführer Tim Schumacher von der Domain-Verkaufsplattform Sedo.de aus Köln. Für die WM-Domain www.wm06-online.de zahlte ein Käufer exakt 2006 Euro.

Die Fifa steht diesem ebenso lukrativen wie dubiosen Treiben mit WM-Domains bisher rechtlich machtlos gegenüber. Denn bei der Domainregistrierung gilt das Prinzip des "First come first serve". Weil sich aber findige Privatpersonen unmittelbar nach Bekanntgabe der FIFA-Entscheidung, die WM 2006 in Deutschland auszurichten, die attraktivsten WM-Domains reserviert haben, kam die Fifa zu spät. Zwar kann der Markeninhaber grundsätzlich die Löschung einer gleichnamigen Internetadresse verlangen.

Doch genau hier liegt das Problem. Knapp 250 Tage vor Beginn der WM streiten die Juristen über die Frage, inwieweit die Begriffe "WM 2006" und "Fußball WM 2006" überhaupt als Marken eintragungsfähig sind. Denn für rein beschreibende Bezeichnungen wie zum Beispiel "Bundestagswahl 2005" besteht eigentlich ein Freihaltebedürfnis, das einer Markeneintragung nach deutschem Recht entgegensteht. Der Freiburger Rechtsanwalt Stefan Ernst hält den Begriff "WM 2006" demnach für nicht schutzfähig. "Wenn ich diese Bezeichnung für irgendeine Sportart als Marke eintragen lassen wollte, würde mir das Marken- und Patentamt den Antrag um die Ohren hauen", sagt Ernst. Denn dann müssten all diejenigen Sportarten, die 2006 ebenfalls Weltmeisterschaften austragen, auf den Zusatz WM 2006 verzichten oder an die Fifa Lizenzgebühren entrichten - ein untragbares Ergebnis.

In einem Einzelfall hat bisher das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg der Fifa Markenschutz gewährt. Es hat das Kürzel "WM 2006" als besondere Geschäftsbezeichnung anerkannt. Die Fifa war in dem Verfahren gegen einen Markenantragsteller vorgegangen, der die Wortmarke "WM 2006" für die Dienstleistungen Werbung und Telekommunikation angemeldet hatte. Anders als noch bei der ,WM 1994? meinen die Hamburger Richter jetzt: "Die Begriffskombination ,WM 2006? bezeichnet in Deutschland allein die Fußballweltmeisterschaft 2006". Dabei stützen sie sich im Wesentlichen auf eine im Herbst 2003 von der Fifa in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage. Danach ordneten 58 Prozent aller Befragten und 92 Prozent der Fußballinteressierten die Abkürzung allein dem bevorstehenden Fußballturnier in Deutschland zu.

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