Fußballfan in Abseitsgefahr
Postbankchef Klein droht das Ende der Eigenständigkeit

Euphorisch wirkt Wolfgang Klein nicht, wie er da neben Deutschlands mächtigstem Banker, Josef Ackermann, sitzt. Und dabei lobt der den Postbankchef und dessen Institut am laufenden Band. Doch mit dem Einstieg der Deutschen Bank muss der 44 Jahre alte Klein mittelfristig um die Eigenständigkeit der Postbank fürchten – und um die eigene Handlungsfreiheit.

BONN. Seit einem guten Jahr steht Klein an der Spitze der Postbank – und konnte dort unter dem Eigner Deutsche Post schalten und walten wie er wollte, sah der gelbe Riese doch sein Kerngeschäft in der Logistik, nicht im Finanzgeschäft. Der Finanzkrise hat den Schalke-Fan in seiner kurzen Zeit als Chef ebenso begegnen müssen wie zehn Monaten der Unsicherheit über die Zukunft der Bank. Die Mannschaftsmoral war angeschlagen und Klein, den Trainer an der Spitze, hat die Unsicherheit irgendwann nur noch genervt. Denn außer Durchhalteparolen ausgeben und sich auf das tägliche Geschäft konzentrieren konnte er nicht viel machen. Der Spielentscheider war Postchef Frank Appel.

In diesen Monaten lagen wichtige strategische Entscheidungen im Fondsgeschäft wie im Zahlungsverkehr ebenso wie so manches Investitionsprojekt auf Eis. Für den als analytisch denkend geltenden ehemaligen Unternehmensberater Klein, der bereits in seinen 30ern in die Vorstandsetage aufrückte, ein schwer zu ertragender Zustand. Den Jahrestag der Übernahmespekulationen im November wolle er nicht erleben, hat er einmal gesagt – zumindest dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Jetzt nach dem Einstieg der Deutschen Bank komme die Zeit „um voneinander zu lernen“, sagt er, neben Ackermann am Rande des Verkündungstisches sitzend, betont selbstbewusst. Schließlich sei die Postbank Deutschlands Retailbank Nummer eins. Das klingt als würde er Pflöcke einschlagen in Richtung Privatkundensparte der Deutschen. Denn sein Wunschkandidat für ein Zusammengehen wäre, so Branchekreise, die Dresdner Bank gewesen. Nicht nur weil er dort gearbeitet hat, sondern weil seine Rolle klarer gewesen wäre. – Die Deutsche Bank hat mit Rainer Neske ihren eigenen Retailkönig.

Aber Klein hat schon mehrfach seinen Weg gefunden: Erst bei McKinsey, wo ihn eigentlich die Chemiesparte reizte und er in der Finanzabteilung landete, Spezialgebiet Privatkundengeschäft und Direktbanking, dann bei der Dresdner, beim Sparkassenverband und seit 2001 in der Postbank.

Die jüngste Initiative der Postbank, künftig an den Kassen der Shell-Tankstellen Bargeld an die Bankkunden auszuzahlen, war seine Idee, eine, die auch Ackermann gefällt. „Ich hoffe sehr, dass er uns erhalten bleibt, weil er eine hervorragende Arbeit gemacht hat“, sagt der, als man ihn nach Kleins Zukunft bei einer endgültigen Übernahme fragt. Klein lächelt, lacht sogar ein bisschen verlegen. – Aber Euphorie, sieht anders aus.

Wolfgang Klein

1964: Klein wird in Bottrop geboren. Nach Abitur und Banklehre, Ökonomie-Studium an der Universität Witten/Herdecke und MBA in den USA.

1991: Unternehmensberater bei McKinsey, Bereich Finanzinstitutionen.

1996: Wechsel zur Dresdner Bank, Bereichsleiter für Privatkunden, beteiligt am Aufbau der Direktbanktochter.

1998: Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, verantwortlich für IT, Kartensysteme und Zahlungsverkehr, Promotion.

2001: Wechsel als Vorstand zur Postbank.

2007: Klein wird Vorstandsvorsitzender.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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