Gang zum Notar hat viele Gründe
Nicht nur bei Prominenten beliebt: Der Ehevertrag kommt in Mode

Klare Vereinbarungen für den Fall der Fälle sind mittlerweile Gang und Gäbe. Kein Wunder: Eine Trennung vor dem Tod ist heutzutage mehr als wahrscheinlich. Doch für den Besuch beim Anwalt oder Notar gibt es auch andere Gründe. Von den knapp 390 000 Ehen, die hier zu Lande jährlich geschlossen werden, gehen mehr als die Hälfte zu Bruch.

HB DÜSSELDORF. Boris Becker ist nur einer von vielen, ebenso Uschi Glas, Ralph Siegel, Oliver Kahn oder "Dschungelqueen" Lisa Fitz. Sie alle hatten oder haben Eheverträge - ebenso wie viele nicht-prominente Ehepaare.

Die Gründe, warum frische Verliebte vor der Trauung ganz profan einen Anwalt oder Notar aufsuchen, sind vielfältig. Die einen wollen ihre Firmen aus späteren Geldstreitigkeiten heraushalten, andere bringen Schulden mit in die Ehe, für die der zukünftige Partner nicht mithaften will, wieder andere erwarten hohe Erbschaften - oder sind schlicht geizig.

Grundsätzlich können in einem Ehevertrag all die Inhalte geregelt werden, die auch bei einer Scheidung geklärt werden müssen. Meist geht es dabei um Unterhalt für den Partner, das Sorgerecht für die Kinder, die Altersversorgung und die Aufteilung des Vermögens. Allerdings bieten sich nicht für alle Paare derartige Vereinbarungen an. Für die "normale Ehe" mit Kindern und einem Verdiener ist meist die gesetzliche Regelung des Zugewinngemeinschaft vollkommen ausreichend.Dabei wird zum Stichtag der Scheidung der jeweilige Vermögenszuwachs der Partner ermittelt - derjenige, der mehr erwirtschaftet hat, muss dann den Überschuss zur Hälfte an den Partner abtreten.

Anderes gilt für all jene Fälle, in denen zwischen den Partnern ein große Diskrepanz herrscht - etwa arm und reich, jung und alt, Firmenteilhaber und Sekretärin. Hier nutzen die Partner oft den Ehevertrag zur Vereinbarung eines modifizierten Zugewinnausgleichs. Damit können sie in bestimmten Fällen definieren, was nicht zum Zugewinn gehören soll - etwa mitgebrachte und erwartete Vermögen. Solche Eheverträge kommen am häufigsten vor, weiß die Bundesnotarkammer, auch unter Deutschlands Promis.

Gutverdiener ohne Kinder greifen hingegen häufiger zur Gütertrennung und schließen gegenseitige Unterhaltsansprüche ganz aus, genauso wie einen Ausgleich bei der Altersversorgung. Das hat jedoch einen Nachteil: Bis auf einen Freibetrag muss im Erbfall das gesamte ererbte Vermögen versteuert werden.

Eheverträge zwischen jungen Doppelverdiener-Paaren mit Kinderwunsch sehen meist den teilweisen oder vollen Ausschluss von gegenseitigem Unterhalt vor sowie eine Gütertrennung. Allerdings vereinbaren die Partner in der Regel zugleich eine Bedingung. Wird ein Kind geboren, greift wieder die Zugewinngemeinschaft und der Unterhaltsverzicht wird aufgehoben.

Größenordnungen wie in den USA sind hier zu Lande aber noch nicht erreicht. In den Staaten gehen nach Expertenschätzungen mittlerweile 50 % aller Heiratswiligen vorher zum Anwalt. Wie gefährlich es sein kann, das nicht zu tun, zeigt der bekannte Rosenkrieg von Jack Welch, dem Ex-Chef des US-Giganten General Electric. Welch ließ die Finger von einem Ehevertrag - und musste am Ende mehrere 100 Mill. Dollar zahlen.

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