Gastkommentar Amerika, Du hast es besser

Während der Dax die US-Börsen abhängt, sieht es in der Wirtschaft ungleich besser für Amerika aus. Denn bei den Gewinnmargen führen die dortigen Konzerne die deutsche Konkurrenz regelrecht vor. Ein Gastbeitrag.
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Während der Dax die US-Börsen abhängt, ist es in der Wirtschaft genau umgekehrt. Quelle: ap
Vorbild USA

Während der Dax die US-Börsen abhängt, ist es in der Wirtschaft genau umgekehrt.

(Foto: ap)

Der Deutsche Aktienindex, Dax, jagt von einem Rekord zum anderen. Seit Jahresbeginn hat er mit seiner Performance die Börsenindizes aller westlichen Industrieländer hinter sich gelassen – die amerikanischen Leitindizes Dow Jones und S&P 500 hängen abgeschlagen zurück.

Alles bestens? Ist der Dax-Gipfelsturm ein Zeichen für die bärenstarke deutsche Wirtschaft, die es wieder allen Skeptikern gezeigt hat? Germany 2.0 Reloaded? Das wäre schön. Doch die Realität sieht deutlich trister aus. Denn auch der Höhenflug des Dax kann es nicht verdecken: Seit Jahren verdienen die allermeisten börsennotierten deutschen Unternehmen viel zu wenig, um beim Wettlauf um das Kapital internationaler Anleger gegen die Konkurrenz aus den USA bestehen zu können.

Diese Feststellung mag angesichts des aktuellen Börsenbooms in Deutschland verwundern. Gleichwohl: Die aktuelle Hausse ist vor allem durch die niedrigen Zinsen, den Abwertungswettlauf verschiedener Volkswirtschaften, das Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank, die sich abzeichnende Verschiebung der US-Zinswende, den niedrigen Euro im Verhältnis zum US-Dollar sowie den gesunkenen Ölpreis entstanden. Das Gewinnwachstum deutscher Unternehmen ist insgesamt, von Ausnahmen abgesehen, wesentlich schlechter als das der US-Firmen.

Tasso Enzweiler, einst Chefreporter der FTD. Quelle: PR

Tasso Enzweiler, einst Chefreporter der FTD.

(Foto: PR)

Aktuelle Daten verdeutlichen das. Zum Beispiel die Sportartikelhersteller Nike und Adidas. Nike erzielt, basierend auf dem jüngsten Neunmonatszahlen, eine Nachsteuermarge von 10,6 Prozent, während Adidas im abgelaufenen Geschäftsjahr 3,4 Prozent erreicht. Die Free-Cash-Flow-Marge von Nike übertrifft den Wert der Herzogenauracher - 1,2 Prozent - mit 10,7 Prozent fast um das Neunfache. Und der Return on Capital Employed (ROCE), eine zentrale Kenngröße der Börsianer, ist bei den Amerikanern um mehr als das Fünffache höher: 37,1 versus 6,7 Prozent.

Dieser Performance-Unterschied ist kein Zufall, die Wachstums- und Gewinnschwäche von Adidas gegenüber Nike besteht seit vielen Jahren. Zweifellos gibt es hausgemachte Probleme geben, wie der überteuerte Erwerb von Reebok, der seit Jahren die Gewinnmarge belastet, und die Absatzprobleme bei der Golf-Marke zeigen. Nike hat jedoch in den jüngsten 9-Monatszahlen zunehmend über Währungseinbußen wegen des starken US-Dollar berichtet - trotzdem steigt der Gewinn der Amerikaner deutlich.

Die Gewinnlücke ist zum Teil auch strukturell bedingt: Nike zahlt prozentual weniger Steuern als Adidas, Nike ist führend auf dem großen US-Markt, der nachhaltig stärker wächst als Europa, der Heimatmarkt von adidas. Die US-Bürger sind mit dem hohen Beschäftigungszuwachs in den USA und der stetig wachsenden Bevölkerung konsumfreudiger, während Arbeitslosigkeit, demographische Entwicklung und höhere Steuerquoten in Europa die heimischen Konsumenten stärker belasten.

Positive Gegenbeispiele aus der zweiten Börsenreihe
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14 Kommentare zu "Gastkommentar: Amerika, Du hast es besser"

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  • Nur auf Gewinnmargen hinzuweisen ist einseitig und führt zu den Fehlbewertungen wie die der letzten Blasen Crashs.
    Wenn gesellschaftliches Umfeld, Umwelt, Gesundheit, Einkommen, soziale Sicherheit und weitere Faktoren einbezogen werden, zeigt sich Gewinnmarge auf eine ganzheitlichere Betrachtungsweise.
    Börsenmakler, Banken, Finanzmärkte und Anleger sind gut, aber längst nicht so existentiell wichtig, wie gerne alle Weltuntergangspropheten behaupten.
    Margen zwischen null und fünf Prozent reichen völlig aus und würden für viel mehr fließendes Geld und eine gleichmäßigere Verteilung und Wohlstand sorgen.
    Niemand kann dies sachlich widerlegen, weil es so ist.
    Trotzdem verstehen es nicht einmal 1% der Bevölkerung, sich unangemessen viel auf Kosten der restlichen 99% mit Angst und Arbeitsplatzverlustdrohungen anzueignen.
    Was ist wirklich Wichtig und wie können wir das erreichen?

  • (Leider) ein sehr guter Gastbeitrag, speziell der Freiheitsgadanke und der Glaube an das eigene Können:
    Je freier die Leute im Kopf desto besser läuft eine Wirtschaft. Alle neuen Großideen kommen aus den USA oder werden dort als geklaute Idee groß gemacht. Vom Auto bis zum e-commerce, vom Öl bis zu sozialen Medien.
    (Die Nachteile dessen sind ein anderes Thema)

    Warum? Es ist die Freiheit in den Köpfen die Produkte hervorbringt um die Bedürfnisse einer freien Gesellschaft zu befriedigen. Man kann es auch Innovastionskraft nennen. Dass hier höhere Margen winken ist klar. Kapitalismus; das Original sozusagen!

    Deutschland hingegen mit dem Glauben, dass Vater Staat alles verbessern muss, bzw. der Chef einer Firma. Da wird man dann halt abgehängt....logisch!

  • "Aber es ist nun mal so: „Übertreffen um“ heißt immer noch, dass ich den errechneten Wert addieren muss."
    Alter Schwede, ist das Ihr Ernst??? Wie kann man sich nur so dermaßen ins eigene Knie Schießen? Wo steht denn bitte, dass ich den errechneten Wert addieren muß. Sie mögens vielleicht mit der deutschen Sprache drauf haben, aber mit der Logik hapert es mächtig!
    Nachsteuermarge Siemens 7,5%, 3M 15,6% - niemand wird anzweifeln, dass die Marge von 3M doppelt so hoch ist wie von Siemens, nur der Herr Walch. Nach Ihrer Logik hat 3M aber gar keine doppelt so Hohe Nachsteuermarge denn 7,5*2+7,5=22,5 und nicht 15,6. Sie würden wahrscheinlich argumentieren, dass die Marge von Nike 1 mal so hoch ist, aber defacto hat Nike doppelt so viel Nachsteuermarge wie Adidas erwirtschaftet. Und 10,7 ist nunmal nunmal so viel 1,2. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
    Sie vermischen Prozentwerte und simple Multiplikation. 10,7 % Marge von Nike sind neunmal so viel Marge wie von Adidas, allerdings hat Nike eine um 800% höhere Marge als Adidas. Na macht's Klick?!
    Mal davon abgesehen ist ihr Kommentar ja nun wirklich Haarspalterei. Der Artikel ist zweifelsfrei kritikwürdig, aber auf diesen Zahlen rumzureiten ist schon ziemlich borniert.

  • Von vielen Plattheiten, die wir schon zur Genüge kennen, abgesehen, entsetzt mich die Rechenschwäche des Autors ganz ungemein.
    Er schreibt (Ich zitiere): „Nike erzielt, basierend auf dem jüngsten Neunmonatszahlen, eine Nachsteuermarge von 10,6 Prozent, während Adidas im abgelaufenen Geschäftsjahr 3,4 Prozent erreicht. Die Free-Cash-Flow-Marge von Nike übertrifft den Wert der Herzogenauracher - 1,2 Prozent - mit 10,7 Prozent fast um das Neunfache. Und der Return on Capital Employed (ROCE), eine zentrale Kenngröße der Börsianer, ist bei den Amerikanern um mehr als das Fünffache höher: 37,1 versus 6,7 Prozent. „

    Nehmen wir die Free-Cash-Flow-Marge. Das Neunfache von 1,2% ist 10,8. Addiere ich diesen Wert zu den erreichten 1,2% von Adidas lande ich bei 12% und nicht bei 10,7%..
    Oder den ROCE: Das Fünffache von 6,7% ist 33,5%. Plus 6,7% ergibt 40,2% und nicht 37,1%.
    Deutsch ist halt doch eine sehr schwere Sprache. Aber es ist nun mal so: „Übertreffen um“ heißt immer noch, dass ich den errechneten Wert addieren muss. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

  • >> Amerika, Du hast es besser >>

    Als KONGO.....?

    http://www.paulcraigroberts.org/2014/11/10/lies-government-latest-jobs-report/

    http://quer-denken.tv/index.php/464-verfassungsversammlung-in-den-USA

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/die-verfallenden-staaten-von-amerika-teil-5-kurzschluss-im-system/11090066.html

  • Ich habe selten einen so guten Kommentar gelesen!!
    Vor allem das Fazit, dass Deutschland von der Substanz lebt und die Nettoinvestitionen negativ sind, ist besorgend erregend. Mich erinnert die Stituation Deutschland's an Großbritanien nach dem Zweiten Weltkrieg, Auch dort gab es auch einen langsamen aber stetigen Abstieg der Wirtschaft, verbunden mit einer starken Überregulierung. Bis Magret Thather mit ihren "Brutalomethoden"eine Kehrtwende herbeiführte.
    Auch der Hinweis, dass die jungen Deutschen lieber einen Job beim Staat oder bei Großunternehmen suchen, ist ein überdeutlicher Indikator, dass es mittelfristig mit Deutschland nicht gut gestellt ist.

  • Nicht Amerika, sondern die USA sind fertig!
    Sie zappeln noch etwas herum, aber die Zeit ist abgelaufen. In den USA leben 4% der Weltbevölkerung, aber dafür haben die 25% aller Gefangenen der Welt im Knast sitzen.
    Jeder 3te Amerikaner ist Vorbestraft, und hat somit sein Wahlrecht verloren.
    32000 Menschen werden jades Jahr erschossen, dass sind 80 am Tag, hier würde ich so was Bürgerkrieg nennen.
    5 Familien kontrollieren sämtliche Zeitungen und Fernsehsender, Erwirtschaftet wird da schon lange nix mehr, die drucken wertloses Geld und jubeln es der Welt unter.
    Oder wer kennt hier Waren aus den USA ausser Chlorhühnchen und Genpflanzen.
    Wollen wir so ein Land als Vorbild?








  • Ist dieser Artikel überhaupt mit dem Propagandaministerium abgestimmt? Demnach geht es uns doch am allerbesten, wir sind die Allerbesten, wir können die ganze Welt alimentieren und an unserem Wesen genesen lassen, weil es uns doch so gut geht. Und da kommt auf einmal jemand und behauptet, wir leben von der Substanz. Einen Standortvorteil haben die deutschen Unternehmer wie auch deren Mitarbeiter jedenfalls. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Naja, dass Deutschland überreguliert ist, sich einen aufgeblähten Beamtenapparate leistet und insbes. Arbeitseinkommen unanständig hoch besteuert, ist sicher richtig. Man kann auch der Meinung sein, dass Deutschland von der Substanz lebt. Aber die USA doch wohl deutlich mehr. Ich war letztens wieder da und war bei den vielen Schlaglöchern auf Highways (!) froh, dass der Wagen nur geliehen war. Auch Stromleitungen auf Holzmasten, die bei ein wenig umknicken finde ich für ein entwickeltes Land schon erstaunlich.

  • Habe gute Freunde
    Aber achte auf das, was deine Feinde zu dir / über dich sagen.

    Amerika ist IMMER unser Feind gewesen. Egal, was sie hierzu in den Geschichtsbüchern geschrieben haben. Und wenn man uns wegen unserer Exportstärke kritisiert, sollte uns das darin bestätigen, was wir machen.

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