Gastkommentar: Ein kreativerer Umgang mit der Arbeitszeit

Gastkommentar
Ein kreativerer Umgang mit der Arbeitszeit

Thomas Sattelberger, der Personalchef der Deutschen Telekom, verlangt, den Mitarbeitern größeren Einfluss auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu geben. Dazu muss es einen Bewusstseinswandel in den Chefetagen geben.
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Thomas SattelbergerIm Büro des viel beschäftigten Chefs brennt weit nach Feierabend noch Licht. E-Mails werden endlich beantwortet, wichtige Arbeitsaufträge verteilt, in spätabendlichen Besprechungen die Richtung festgelegt. Keiner wagt es, früher zu gehen. Was soll der Chef denn denken? Was die anderen? Und wer es dennoch tut, muss sich von den Kollegen noch mit dem Spruch „Nimmst du einen halben Urlaubstag?“ frotzeln lassen. Jetzt geht im Chefbüro das Licht aus. Endlich. Das ersehnte Zeichen für den kollektiven Aufbruch in den Feierabend.

Das ist ein besonders krasses Beispiel für die Präsenzkultur in den Büroetagen deutscher Konzerne. Das Büro ist erleuchtet, alle sehen, dass ich etwas leiste. Ich bin ständig erreichbar, also bin ich gut. Sitzfleischkultur statt Ergebniskultur ist ein Auslaufmodell, unsere Arbeitswelt steht vor einem radikalen Wandel. Der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft erfordert einen neuen Umgang mit Zeit: gerade in Kreativ- beziehungsweise Denkbereichen. Zumal junge Talente selbst die tradierten Arbeitszeitmuster immer mehr infrage stellen.

Auch als Hochleister wollen sie selbstbestimmter sein, wenn es darum geht, Zeit für den Beruf oder Zeit für Familie und Freunde zu gestalten. Ein Unternehmen kann und darf nicht komplett über die Zeit seiner Mitarbeiter verfügen, ein Topmanager nicht zu beliebigen Zeiten über die Ressourcen seiner Geführten. Der bewusst gelebte Umgang mit allen Formen von Zeit ist Grundlage dieser Veränderung, egal ob es sich um Auszeit, Rückkehrzeit, Tagesarbeitszeit, freie Zeit, Zeitanteile für die einzelnen Lebenssphären, Lebensarbeitszeit oder Familienzeit handelt.

Der kulturelle Paradigmenwechsel beginnt in den Führungsetagen. Er darf keine Oberflächenkosmetik sein, sondern muss als Bewusstseinswandel in den Köpfen der Entscheider verankert werden. Ein eindeutiges Bekenntnis für die Möglichkeit zur Teilzeit für Führungskräfte hilft dabei ebenso wie das ehrliche Bekenntnis für E-Mail-freie Ruhezonen. Sich um seine Familie zu kümmern und dafür bewusst Zeit zu investieren kann und darf kein Makel mehr sein. Mitarbeitern muss die Sorge genommen werden, dass kleine tägliche und große mehrmonatige Auszeiten den Knick in der Karriere bedeuten. Diese Entscheidungen müssen ausdrücklich respektiert werden.

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