Gattin schafft Millionen beiseite
Geldsegen für Madoffs Frau

Im Betrugsfall des New Yorker Investmentbrokers Bernard Madoff kommen immer mehr pikante Einzelheiten ans Licht. So hat Madoffs Ehefrau Ruth noch kurz vor der Verhaftung ihres Mannes 15,5 Millionen Dollar von einem Brokerkonto abgehoben. Wo sich das Geld jetzt befindet, ist unklar. Zugleich schließen die ersten Stiftungen, deren Spender Millionen bei Madoff angelegt und verloren haben.

NEW YORK. Wegen der Komplexität des Falls haben sich die Staatsanwaltschaft und Madoffs Anwalt geeinigt, die Ermittlungsfrist bis Mitte März zu verlängern. Die Ermittler haben damit 30 Tage mehr Zeit.

Der 70-jährige Madoff wurde am 11. Dezember vergangenen Jahres verhaftet. Wie jetzt bekannt wurde, zog seine Frau Ruth am Vortag zehn Mio. Dollar von der Brokerfirma Cohmad Securities ab, die ihrem Mann teilweise gehört. Bereits zwei Wochen zuvor, am 25. November, hatte sie sich 5,5 Mio. Dollar überweisen lassen.

Cohmad wurde von Madoff und seinem Freund Maurice Cohn gegründet; ein weiterer Eigentümer ist Madoffs jüngerer Bruder Peter. Die Firma war ein sogenannter "feeder fund", der Investorengelder eintrieb und an Madoff weiterleitete. Sie ist im Staat New York beheimatet, besitzt aber auch ein Büro in Boston. Die Behörden in Massachusetts hatten die Überweisungen entdeckt und die Öffentlichkeit informiert.

Ob die 15,5 Mio. Dollar in der Vermögensaufstellung auftauchen, die Madoff den Ermittlungsbehörden übergeben hat, ist nicht bekannt. Beobachter werten das Timing aber als Indiz dafür, dass Madoff versucht haben könnte, noch kurz vor seiner Verhaftung Geld auf die Seite zu schaffen. Der Investmentbroker soll den Betrug schon am 9. Dezember seinem Bruder Peter gestanden haben. Am Abend des 10. Dezember hatte er sich nach eigener Darstellung seinen in der väterlichen Firma angestellten Söhnen anvertraut, die am nächsten Morgen die Polizei informierten.

Madoff soll bis zu 50 Mrd. Dollar Klientengelder veruntreut haben; ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Das Ehepaar musste seine Pässe abgeben und steht unter Hausarrest. Madoffs hatten schon einmal versucht, Auflagen zu umgehen, indem sie aus dem Arrest heraus Schmuck und wertvolle Uhren im Wert von rund einer Mio. Dollar an Bekannte und Freunde schickten.

Unterdessen werden die Auswirkungen des Betrugs auf den privaten Wohltätigkeitssektor deutlich, der in den USA sehr ausgeprägt ist. Viele Stiftungen legten Teile ihres Vermögens bei dem Investmentbroker an, der sich in den besten Kreisen der Manhattaner High Society bewegte und vielfach selbst als Philanthrop in Erscheinung trat. Viele dieser Organisationen müssen nun ihre Zahlungen einschränken oder werden aufgelöst, berichtet das "Wall Street Journal".

So hat das Philanthropenehepaar Barbara und Jeffrey Picower angekündigt, seine Stiftung zu schließen. Sie hatten unter anderem den Aufbau des Instituts für Lernwissenschaften an der Elitehochschule MIT mit 50 Mio. Dollar unterstützt und auch seine laufende Arbeit gesponsert. Der Immobilienmagnat Mortimer Zuckerman sagte, seine Stiftung habe 30 Mio. Dollar bei Madoff verloren und müsse die Ausgaben entsprechend zurückfahren. Die Carl and Ruth gegründet von dem gleichnamigen Unternehmerehepaar, wurde um 100 Mio. Dollar geschädigt und gibt keine neuen Spendenzusagen mehr.

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