GdF Suez
Kein bisschen müde

Albert Frère hält sich stets im Hintergrund, dort bewegt der 82-Jährige allerdings enorm viel. Sein Meisterstück: die Fusion von Gaz de France und Suez.
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PARIS. Fleischiges Gesicht, verschmitztes Lächeln und ewig rote Wangen. Albert Frère wirkt immer noch sehr jungenhaft, trotz seiner 82 Jahre und eines Finanzimperiums, das zu den größten Europas zählt. Es ist die Arbeit, die ihn jung hält. "Solange mich Gott leben lässt, mache ich weiter, ich habe eine Leidenschaft für die Arbeit", sagt er. Und so kennt Frère keinen Stillstand, telefoniert ständig, sogar in seine Privatsauna hat er sich ein Telefon einbauen lassen.

Geschäfte macht er nicht nur in der Sauna, sondern auch auf dem Golfplatz oder im Restaurant. Rein ins Geschäft mit den Baustoffen, raus aus den Medien, rein in die Energie, so geht es ständig hin und her. Sein jüngster Coup: Der Zusammenschluss des Staatskonzerns Gaz de France (GdF) und der französisch-belgischen Suez zum größten Energiekonzern der Welt. Frère fädelte den Deal ein, und er wird mit einem Anteil von 5,3 Prozent zum wichtigsten Privataktionär des fusionierten Unternehmens, dessen Aktie heute erstmals an der Börse gehandelt wird.

Schon im Jahr 2004 hatte sich der langjährige Suez-Aktionär zusammen mit Konzernchef Gérard Mestrallet das Ziel gesetzt, sich mit einem großen Gaskonzern zu verbünden. Über den 59-jährigen Mestrallet sagte er einmal: "Wir haben eine Art Vater-Sohn-Beziehung." Heute, da der Plan umgesetzt ist, preist er dessen Vorzüge: "GdF-Suez ist eine Gruppe mit starken Trümpfen, die auf soliden Märkten und Wachstumsmärkten positioniert ist. Die Aktionäre dürften von der Fusion profitieren."

In den Medien wurde viel über die Megafusion geschrieben, Frère aber hielt sich im Hintergrund. Er meidet den Presserummel und zieht lieber im Hintergrund die Strippen. "Ich mag es nicht, wenn die Leute über mich reden", sagt er. Das lässt sich allerdings manchmal nur schwer vermeiden.

Denn das Geflecht der Beteiligungen Frères, dessen Vermögen auf zehn Milliarden Euro geschätzt wird, erstreckt sich über mehrere EU-Länder und Branchen. Seine Holding Groupe Bruxelles Lambert (GBL) ist vor allem in Frankreich aktiv, dem Land, das der Belgier als "meine zweite Heimat" bezeichnet und dessen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy er zu seinen Vertrauten zählt. Neben GdF-Suez hält er Anteile am Ölgiganten Total, dem Zementhersteller Lafarge, dem Fernsehsender M6 und der Restaurantgruppe Flo. Zudem ist er der bedeutendste Privataktionär des französischen Aktienindexes CAC 40.

Einige Zeit war Frère auch in Deutschland aktiv, beim Medienkonzern Bertelsmann hatte er fünf Jahre lang eine Schlüsselstellung inne. Er hielt 25,1 Prozent der Anteile, mit dem Recht, ab 2006 über einen Börsengang zu verkaufen. Als es so aussah, dass er tatsächlich an die Börse gehen wolle, kaufte ihm Bertelsmann vor zwei Jahren den Anteil für 4,5 Milliarden Euro ab. Damit verdoppelte Frère seinen Einsatz. "Ein belgischer Kaufmann lehrt Bertelsmann das Fürchten", hieß es damals in deutschen Medien über ihn.

Seine Strategie klingt eigentlich ganz einfach: Günstig einsteigen und teuer verkaufen. Sparen war im Hause Frère immer eine Tugend. "Mach das Licht aus", soll seine Mutter den kleinen Albert gemahnt haben. "Wir haben nicht das Geld der Rothschilds." Als Schrotthändler im Familienbetrieb fing der am 4. Februar 1926 in einem Vorort von Charleroi geborene Albert Frère ganz klein an und machte durch geschickte Zukäufe und Exporte sein Vermögen. Der Wallone wurde zum Stahlbaron Belgiens und 1994 vom belgischen König Albert II. zum echten Baron geadelt. Mit dem Geld investierte der Selfmademan, der keine Diplome, aber einen Spürsinn für lohnende Geschäfte hat.

Heute hat er das Geld der Rothschilds und macht immer noch das Licht aus, wenn er einen Raum verlässt. Die Rothschilds zählen schon lange zu seinen Freunden. Zusammen mit Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH, kaufte der Baron 1998 Cheval Blanc, eines der größten Grand-Cru-Weingüter in der Bordeaux-Gegend. Bewundernd sagte Arnault, der selbst als einer der geschicktesten Wirtschaftsbosse in Frankreich gilt, mal über ihn: "Er hat Geschäfte gemacht, die ich nicht gewagt hätte."

Und wenn er sich Bordeaux kauft, dann ist es eben nicht nur eine gute Flasche, sondern ein ganzes Weingut. Frère, Mitglied der französischen Ehrenlegion, protzt nicht mit seinem Reichtum, aber er liebt Komfort, gutes Essen und Wein. Der Kunstliebhaber ist auch passionierter Jäger und fuhr früher gern Ski und surfte. Heute hält er sich noch durch Radfahren und Golfen fit. Morgens marschiert er etwas, in Anzug und Turnschuhen. Das ist für ihn der Ausgleich zum Essen: "Ich muss mich verausgaben, mich fit halten für den Job."

Frère ist nebenbei auch noch Familienmensch. Tochter Ségolène (31) aus zweiter Ehe sitzt schon lange in wichtigen Aufsichtsräten. Sohn Gérald (57) aus erster Ehe arbeitet seit Jahrzehnten aktiv im Unternehmen mit und ist als Nachfolger vorgesehen - wenn er denn nicht sogar vor dem Vater in Rente geht. Das Vermögen soll jedenfalls in Familienhand bleiben.

Durch die Fusion von GdF und Suez hat es sich mal wieder vergrößert. Geld verdienen macht Frère einfach Spaß. Er ist in seinem Herzen bis heute ein Kaufmann geblieben, auch wenn viele den einflussreichen Geschäftsmann schon längst als "König von Paris" bezeichnen.

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