Gehälter 2008
James Simons: Der Mann, für den sich alles rechnet

Für einen Wissenschaftler gibt es nichts Schöneres, als wenn sich seine Theorien beweisen lassen. Für einen Hedge-Fonds-Manager ist es das Größte, viel Geld zu verdienen. Es gibt wohl nur einen, der es schafft, beides zu verbinden: James Harris Simons, ein früherer Mathematikprofessor und Gründer der New Yorker Investmentfirma Renaissance Technologies (Rentec).

NEW YORK. Gerade ist der 70-Jährige vom US-Investorenmagazin Alpha zum bestverdienenden Hedge-Fonds-Manager 2008 gekürt worden. Mit einem geschätzten Einkommen von 2,5 Mrd. Dollar lässt der Intellektuelle mit dem altmodischen Backenbart Branchengrößen wie John Paulson und George Soros weit hinter sich.

Im Vergleich zu solchen Ikonen ist der öffentlichkeitsscheue Simons wenig bekannt. In der Branche freilich schätzt man ihn. Er trägt den Spitznamen "Elvis", weil viele ihn ihm den König sehen, "The King". Dem Titel hat er jetzt alle Ehre gemacht.

"Ich habe mich schon als kleines Kind für Mathematik interessiert", verriet er vor drei Jahren dem Wissenschaftsmagazin Seed. Er studierte dann auch Mathematik und wurde Professor. Auf seinem Spezialgebiet, differentielle Geometrie, gehörte er zu den Besten: Zusammen mit Shiing-Shen Chern erfand er das nach beiden Wissenschaftlern benannte Chern-Simons-Theorem. Er werde von Investoren ständig gebeten, es zu erklären. "Aber das versuche ich gar nicht erst."

Mit wissenschaftlichen Modellen arbeitet er auch in seinem Hedge-Fonds. Während andere Fonds Investmentfachleute beschäftigen, stellt er mit Vorliebe Statistiker, Physiker und Astronomen ein. Es gehe nicht um einen direkten Transfer von Theorien, sondern um eine bestimmte Art zu denken, erklärt er: "Man schaut sich einen schmutzigen Haufen Daten an, befreit ihn vom Dreck, und dann kann man das saubere Material analysieren und seine Hypothesen daran messen." In welche Anlagen das Geld fließt, verrät er nicht. Nur, dass es "hochliquide, öffentlich gelistete Papiere" seien.

Seine Sorgfalt lässt er sich gut bezahlen: Alpha berichtet, dass Rentec Managementgebühren von fünf und Erfolgsprämien von bis zu 40 Prozent kassiert, doppelt so viel wie branchenüblich. Auch sonst leistet sich der Professor Eigenheiten: Sein Vorzeige-Fonds, Medallion, zahlte vor einigen Jahren sämtliche externe Investoren aus und verwaltet nur noch das Kapital der rund 200 Rentec-Mitarbeiter.

Womöglich kennt er sich mit Zahlen besser aus als mit Menschen. Der Familienvater - Simons hat fünf Kinder - unterstützt die Stony die Stipendien an einkommensschwache Studenten vergibt. Für sie stellte er in den 90er-Jahren den Kontakt zu dem Betrüger Bernard Madoff her. Stony Brook verlor dadurch rund 5,5 Mio. Dollar. Simons hat Bekannten verraten, er fühle sich "hundsmiserabel". Es wäre keine Überraschung, wenn Simons ohne Aufhebens in die Tasche greifen und den Verlust ausgleichen würde. Genug Geld hat er ja.

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