Geheimhaltung
Geheimhaltung großer M&A-Deals

Bei Fusionen und Übernahmen gilt strenge Geheimhaltung – zu viel Geld steht auf dem Spiel: So lautet die fett gedruckte Zusammenfassung einer Anweisung eines Konzerns an seine Unternehmensjuristen: „Vulgäre Zusammenfassung in einem Satz: Schnauze halten“. Lesen Sie, wie es hinter den Kulissen der Deals zugeht.

In der Langfassung der Anweisung stehen genaue Geheimhaltungsvorschriften, die bei vertraulichen Projekten wie Fusionen, Übernahmen oder Firmenverkäufen im Auktionsverfahren – Bieterverfahren – befolgt werden müssen, so wie: Lassen Sie Gäste nicht alleine in der Firma herumlaufen – sie könnten andere Gespräche aufschnappen. Oder: Kopien müssen erfasst und markiert werden. Und: Heikles wird gar nicht geschrieben, sondern selbst dem Vorstand nur mündlich mitgeteilt.

Auch Konkretes folgt: Nutzen Sie abgelegene Hotels und tragen Sie dabei legere Kleidung. Schließlich fallen 20 Männer in dunklen Anzügen auf, auch in Landhotels. Weiter: Halten Sie für Nachfragen gezielt eine falsche, aber geheim und wichtig klingende Story für Dritte bereit. Selbst Regeln über unterdrückte Rufnummern und Sprachregelungen für Sekretariate stehen da.

Die Regelungswut kommt nicht von ungefähr. Zu klassischen Fehlern, die Dealbeteiligten unterlaufen, zählen laute Gespräche in Flughafenlounges oder das Lesen brisanter Unterlagen im Flieger. Das machen die „ganz großen Helden“, spottet Alexander Hirsch, M&A-Anwalt von Nörr Stiefenhofer Lutz. Doch die Protagonisten sind oft so eitel, dass sie einfachste Vorsichtsmaßnahmen vergessen. Hirsch berichtet von Deal-Beteiligten neben sich im Flieger, auf deren Unterlagen oben der Deckname „Walnut Pie“ stand – und darunter gut lesbar der Name des Investors und der Firma, um die es ging. Dank ihrer Erreichbarkeit zählen Flughäfen und ihre Umgebung bei den großen Deals zu den oft angesteuerten Orten. Der Airport Club Frankfurt ist einer der gängigsten Treffpunkte bei Deals. Doch selbst wenn die Kanzleien unter ihrem Namen – statt dem der Firma – die Räume reservieren, so erkennt man sich doch. „Die üblichen Verdächtigen begegnen sich immer wieder“, weiß M&A-Anwalt Rainer Traugott von Linklaters in München.

Law Firms müssen peinlich auf Sicherheit achten, kleiner Fehler kann Millionen Euro kosten und Deals platzen lassen. Zum Beispiel: Dass in jedem der Textausdrucke, die an Firmenjuristen, Investmentbanker und Anwälte verteilt werden, ein anderer Tippfehler ist. Taucht irgendwo plötzlich eine Kopie auf, ist zumindest nachvollziehbar, wo sie herkommt, berichtet Hirsch. Auch versteckte Signaturen in Dateien, die nicht löschbar sind, dienen diesem Ziel. Auch die können zurückverfolgt werden bis ans Leck. Werden mal Informationen gezielt lanciert, kommen diese meist aus den Unternehmen selbst, ist Hirschs Erfahrung. Etwa von Arbeitnehmervertretern, denen es bei Firmenübernahmen um die Rettung von Jobs geht.

Wie ein Gespenst geistert noch heute durch die Law Firms die Erinnerung, als die renommierte US-Kanzlei Jones Day während des Strafprozesses gegen Moderator Michel Friedmann ein brisantes Fax versehentlich an eine Pizzeria schickte – und wie es von dort aus geradewegs seinen Weg in die Boulevardpresse nahm. Hirsch: „Auf die Faxnummer guckt man sicherheitshalber fünfmal.“ Denn das Wissen, wie hoch das Angebot des Konkurrenten bei einem Bieterverfahren sein wird, kann sehr viel Geld sparen, berichtet ein Top-Anwalt aus dem Rheinland.

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