Geheimnisse des Gehalts
Verdienen Sie, was Sie verdienen?

Die deutsche Wirtschaft leckt sich die Finger nach hochqualifiziertem Fachpersonal. Immer mehr Akademiker können es sich leisten, wählerisch zu sein. Finanziell erfolgreich ist aber nur der, der anpassungsfähig bleibt.
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DüsseldorfDie Berater von McKinsey gelten nicht eben als zartbesaitet. Statt Nachwuchskräfte mit schönen Worten zu umwerben, riefen die amerikanischen Consultants den „War for Talents“ aus. Das ist Jahre her.

Heute geben sich die Strategen vom Dienst geschmeidiger. Jedem McKinsey-Berater stehen inzwischen pro Jahr drei Monate bezahlte Auszeit zu. Der „Firma“, wie sich McKinsey intern selbst gern nennt, ist es dabei egal, ob ihre Beraterinnen und Berater sich dann weiterbilden oder sich einfach der Familie widmen.

Das Beispiel zeigt: McKinsey führt den Krieg um die Talente nun mit anderen Mitteln, die Persönlichkeit des Einzelnen steht jetzt im Vordergrund. Aus gutem Grund. Denn auch für Top-Adressen wie McKinsey wird es immer schwieriger, Spitzen-Nachwuchskräfte zu gewinnen – und zu halten. Daran ändern auch Einstiegsgehälter um 80.000 Euro, die große Beratungsunternehmen zahlen, oder die Aussicht auf spätere Spitzenjobs in der Industrie nichts.

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Was Führungskräfte verdienen

Für die Top 100 in Deutschland, Spannbreite* in Euro

Der Arbeitsmarkt für Akademiker und hochqualifizierte Fachkräfte steht vor dramatischen Veränderungen. Die rasch alternde Gesellschaft und der anhaltende Erfolg der deutschen Wirtschaft treiben die Nachfrage nach gutem Personal. Das Angebot an qualifizierten Frauen und Männern kommt aber kaum nach.

Das Personal wird wählerisch – und kann sich das auch leisten. Die sogenannte „Generation Why“, rollt an. Sie fragt auch schon mal: „Warum soll ich mir das antun?“ Nur Arbeit und Karriere, nur das große Geld allein locken heute immer weniger. „Die Lebensqualität spielt eine ganz große Rolle“, sagt Alexander von Preen, Partner bei der Unternehmensberatung Kienbaum. Und die Frage: „Was kann ich gestalten in meinem Job?“

Erste Engpässe tun sich auf. Die Industrie sucht beispielsweise händeringend Ingenieure, und das nicht erst seit heute. 200.000 Stellen sind unbesetzt, klagen Branchenvertreter. Aber Vorsicht! Nicht jeder Ingenieur ist gefragt. Und nicht jeder Spezialist kann davon ausgehen, dass seine besonderen Kenntnisse ein ganzes Arbeitsleben als attraktiv gelten.

So könnte beispielsweise die politisch verordnete Energiewende ins Stottern geraten, weil es nicht genügend Experten für Solarenergie, neue Materialien oder Regeltechnik gibt. Aber es ist auch bereits ein quantitatives Problem erkennbar – jedenfalls aus Sicht der Unternehmen. „In den kommenden 15 Jahren verschwindet die Hälfte der Ingenieure vom Arbeitsmarkt“, sagt der Präsident des Verbands der Ingenieure, Willi Fuchs, voraus.

Kommentare zu " Geheimnisse des Gehalts: Verdienen Sie, was Sie verdienen?"

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  • Ich muss bei dem Bild lachen. Womit die Fachkraft mit den dunkel lackierten Fingern und dem protzig-prolligen Armband wohl ihr Geld so verdient ? In welcher Branche wird cash mit grossen Scheinen bezahlt ? Das Foto lässt die Forderung nach freiem Zugang von "Fachkräften" aus Osteuropa in ganz neuem Licht erscheinen, wahrscheinlich benötigt man Fachkräfte für div. Vakuumtechniken.

  • Ich kann aus eigener Erfahrung die Situation der Fachkräfte in der Elektronikbranche beschreiben: Seit 10-15 Jahren bekommt der Berufsanfänger 45T Euro und der Spezialist mit über zehnjähriger Erfahrung etwa 75T Euro. Heute findet die bessere Hälfte der Uniabsolventen eine ordentliche Anstellung bei heimischen Unternehmen und darüber hinaus benötigte Ingenieure werden für weniger als ein Drittel des erwähnten Gehaltes in Asien eingestellt. Ingenieursgehälter dürften somit auch noch in den nächsten 10-15 Jahren stagnieren.

    "Finger ablecken nach Fachkräften" sieht anders aus.

    Mein Tip für Studienanfänger: studiert ein Fach, dass Deutsch als Muttersprache bzw. deutsches/europäisches Recht voraussetzt und eine Leistungserbringung "vor Ort" beinhaltet. Oder macht irgendwas mit Finanzen, da habt ihr Lobby sei Dank wenigstens unsere Politiker auf eurer Seite.

  • Solange (wie bei uns in der Entwicklung eines der 3 Pkw-Premiumherstellers in Deutschland) neue Ingenieure nur noch über Fak's (Fremdarbeitskräfte) und ANÜ's (Arbeitnehmerüberlassung) in die Firma kommen und die wenigen, die doch eine Festanstellung bekommen auf deutlich niedrigere Entgeltgruppen als früher eingestellt werden sortiere ich solche Artikel unter der Rubrik "gezielte Lobbyarbeit zur Schaffung eines preiswerten Arbeitskräftepools" ein.

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