General Electric
GE-Chef Immelt: unter Beobachtung

Als Chef von General Electric thront Jeffry Immelt auf dem Olymp der amerikanischen Managerkaste. Aber wie lange noch? Hilflos wirkt er in den Wirren der Finanzkrise. Und schon gibt es erste Zweifel, ob er seinen Posten noch lange halten kann.

MÜNCHEN. In jedem Land gibt es ein Unternehmen, an das besonders hohe Ansprüche gestellt werden. Wegen seiner langen Geschichte und enormen Größe erwarten Öffentlichkeit, Mitarbeiter und Aktionäre besondere Leistungen von so einem Konzern. Das gilt für die Art und Weise, wie das Unternehmen geführt wird ebenso wie für Umsatz, Gewinn und Aktienkurs.

In Deutschland ist es Siemens, das solch eine Vorbildfunktion hat - auch deshalb hat der jüngste Korruptionsskandal für so viel Aufsehen gesorgt. Was Siemens in Deutschland, ist General Electric (GE) in den USA - das Vorzeigeunternehmen. GE gilt als die Schule der Manager in Amerika schlechthin, als Treiber neuer Technologien und als Garant für gute Renditen. Seit 1899 hat GE seinen Anlegern Quartal für Quartal eine Dividende ausgeschüttet, in den letzten drei Jahrzehnten ist diese Summe jedes Jahr gestiegen. GE ist das einzige Unternehmen, das im Dow-Jones-Index vertreten ist, seit dieser 1896 ins Leben gerufen wurde.

Damit diese eindrucksvolle Tradition nicht abreißt, muss sich jeder GE-Chef nach der Decke strecken. Auch Jeffrey Immelt, der den Konzern mit seinen 170 Milliarden Dollar Umsatz seit 2001 führt - als Nachfolger des legendären Jack Welch.

Die letzten Monate waren für GE-Verhältnisse ein einziges Desaster. Zunächst muss Hobbygolfer Immelt im Frühjahr einräumen, dass der Konzern seine Prognose verfehlen werde. Ein Schock für Analysten und Investoren, nachdem GE seine selbst gesetzten Ziele zuvor 28 Quartale in Folge punktgenau erreicht hatte. Ende September kommt es dann knüppeldick: Erst kündigt Immelt an, dass der Gewinn im laufenden Jahr wegen der Finanzkrise deutlich geringer ausfallen wird als prognostiziert. Dann ist der Unternehmenslenker wenige Tage später gezwungen, sich 15 Milliarden Dollar an frischem Geld zu besorgen, um seine riesige Finanzsparte am Laufen zu halten.

Dabei hatte der Mann mit dem stets so einnehmenden Lächeln noch kurz zuvor versichert, das Bankenchaos könne GE nichts anhaben. "Das hilft nicht gerade der Glaubwürdigkeit von Herrn Immelt", ärgert sich Henry Blodget, Chef des Analysedienstes Silicon Alley Insider. So wie er fragen sich immer mehr Experten und Investoren, ob der in Cincinnati geborene Harvard-Absolvent noch der richtige Mann an der Spitze des größten Industriekonzerns der Welt ist.

Bereits im Frühjahr hatte Vorgänger Welch ihm ein "Glaubwürdigkeitsproblem" attestiert. Ein vernichtendes Urteil, meinten viele US-Kommentatoren. Denn Welch hat Immelt an die Spitze geholt, nach Kräften gefördert und lange in höchsten Tönen gelobt. "Er hat einen frischen Blick und packt die Dinge an", beschrieb Welch einmal den Mann mit der Statur eines Basketballers.

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