General Motors
„Big Ed“ in Detroit

Vom Autobauen hat Ed Whitacre keine Ahnung. Egal: Der Ex-Chef von AT&T soll General Motors Beine machen – im Auftrag von Barack Obama.

NEW YORK. Schon die Körpersprache verrät die neuen Machtverhältnisse. „Thanks, Ed“, sagt General-Motors-Chef Frederick Henderson und macht vor seinem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Edward Whitacre einen Diener. Dann erst steigt Henderson aufs Podium am GM-Sitz in Detroit, um die Wiederauferstehung des Traditionskonzerns zu verkünden.

Es wird überdeutlich: Henderson bleibt der oberste Autoexperte von GM, aber Whitacre hat die Macht als Vertrauter des neuen Großaktionärs in Washington: US-Präsident Barack Obama. „Die Aufsichtsratsmitglieder werden sich an der Arbeit für den Wiederaufstieg beteiligen“, sagt Whitacre, der hünenhafte Mann aus Texas. Die Ankündigung kann der seit 1984 für die GM-Misere mitverantwortliche Henderson auch als Drohung verstehen.

„Big Ed“, wie der 1,94 große Veteran der Telekommunikationsbranche von Kollegen genannt wird, ist eine ungewöhnliche Wahl für General Motors. „Ich habe keine Ahnung von Autos“, gestand der 67-Jährige, den obendrein als glühender Anhänger der republikanischen Partei nicht viel mit Obama verbindet. Doch es geht ja nicht um Politik: „ Geschäft ist Geschäft, und das Autobusiness kann ich lernen. Die Funktionsprinzipien sind die gleichen“, sagt Whitacre.

Whitacres Lebenswerk ist der Aufbau des Telekommunikationsgiganten AT&T. 1963 ging er in die Telekombranche und von 1990 bis 2007 war er der Boss bei AT&T. Der Konzern war sein Werk: Zug um Zug kaufte Whitacre regionale Telefongesellschaften auf und machte AT&T zum größten Telekommunikationsanbieter der USA.

„Es gibt Parallelen zu GM“, sagte Jim Hall, Autoexperte bei „2953 Analytics“ der Agentur Bloomberg. „Es geht bei GM nicht in erster Linie um Autos, es geht um die Neuerschaffung eines Konzerns für das 21. Jahrhundert.“ Für diese Aufgabe sei Whitacre eine gute Wahl, weil er den frischen Blick eines Außenstehenden auf die Autometropole Detroit habe.

Viel früher als erwartet kann Whitacre an diese Mammutaufgaben gehen. Denn am Freitag entließ der Konkursrichter die „neue“ GM nach nur 40 Tagen aus dem Insolvenzverfahren. Hatten hohe Lohnkosten, riesige Schuldenberge, ein Sammelsurium von Marken und eine falsche Modellpolitik den Giganten lange gelähmt, ist der Traditionskonzern nun von vielen Lasten befreit. Der Schuldenstand sinkt drastisch von 176 Milliarden auf 48 Milliarden Dollar. Vier von acht US-Marken werden verkauft oder abgewickelt. Die deutsche Tochter Opel soll bis auf eine Minderheitsbeteiligung veräußert werden. Die Belegschaft geht von 91000 auf 68500 zurück. Dafür werden nicht nur 13 von 47 Fabriken geschlossen. Auch 20 Prozent der Angestellten sollen gehen. GM ist auf Diät – und der Konzern soll weiter abspecken.

Seite 1:

„Big Ed“ in Detroit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%