Generalversammlung wird zum Prüfstein
Spießrutenlauf zum Präsidentensessel

Es wird kein Spaziergang, kein von Beifallsstürmen unterbrochenes Schaulaufen. Eher könnte es ein Spießrutenlauf werden, wenn Rainer E. Gut heute sein letztes wichtiges Amt an der Spitze eines Unternehmens abgibt.

HB VEVEY. Der Mann mit der hohen Stirn und den tief liegenden Augen ist Aufsichtsratschef – oder wie es in der Schweiz heißt: Verwaltungsratspräsident – von Nestlé. Das ist jener Lebensmittelkonzern, in dessen Reich die Sonne niemals untergeht, mit mehr als 500 Fabriken in 82 Ländern. 250 000 Mitarbeiter produzieren von Pernod über Nescafé bis Maggiwürze so ziemlich alles, was Durst und Hunger stillt.

Beim 72-jährigen Gut hat der Konzern vor allem dessen Machthunger gestillt. Und es sieht so aus, als würde das Amt, das Gut jetzt an Nestlé-Chef Peter Brabeck weiterreichen soll, dazu dienen, auch dessen Machthunger zu befriedigen.

Fünf Jahre haben Gut auf dem Präsidentensessel und Brabeck als CEO Zeit gehabt, sich auf eine Nachfolgeregelung zu verständigen. Mehr als jene Lösung, Brabeck künftig eine Doppelrolle zuzumuten, ist den beiden nicht eingefallen. „Der Kandidat muss eben ein Profi sein, der zur Wertschöpfung des Unternehmens beiträgt“, erklärt Brabeck. „Die personelle Konstellation im Verwaltungsrat“ mit krankheitsbedingten Abgängen habe das Doppelmandat nahe gelegt, meint Gut.

In der Schweiz hat diese Personalie in den vergangenen Wochen allerdings für Unmut gesorgt. Fünf Pensionskassen, allesamt Nestlé-Aktionäre, haben sich unter dem Dach der Anlagestiftung Ethos zusammengefunden und wollen bei der Generalversammlung einen Antrag stellen, der Brabecks Ambitionen zunichte machen soll.

Eine echte Chance haben die Revolutionäre nicht – dazu fehlt ihnen bei weitem die nötige Stimmenmehrheit. Die Chuzpe, mit der sie vorgehen, irritiert jedoch die Machtmenschen Gut und Brabeck so sehr, dass sie in hektische Aktivität verfallen. Während der eine im Hintergrund die Getreuen zählt, macht der andere in der Öffentlichkeit seinem Ärger Luft. In einem Interview ließ Brabeck wissen, dass ein Vorstand und ein Aufsichtsrat, die auf einer Generalversammlung mit ihren Anträgen scheiterten, ihre Aufgabe nicht länger wahrnehmen könnten.

Seite 1:

Spießrutenlauf zum Präsidentensessel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%