Generationswechsel im Vorstand
Unicredit: Profumos Statthalter kehrt zurück

Andrea Varese, seines Zeichens Unicredit-Manager, kommt demnächst als Chief Risk Officer zur Hypo-Vereinsbank zurück. Nach einem einjährigen Ausflug ins Investment-Banking ersetzt er Henning Giesecke. Varese gilt in Mailand als Mitglied der schnellen Eingreiftruppe fürs Ausland, die sich Konzernchef Alessandro Profumo zusammengestellt hat.

MAILAND "Ich bin aus Versehen Banker geworden", scherzt Andrea Varese. Er hat bereits Erfahrung im Unternehmenskundengeschäft und auch als Chef der Risiko-Abteilung bei der polnischen Tochter Bank Pekao in Warschau gesammelt. Zuletzt war er für die Abteilung für Problemfälle innerhalb der Investmentbank zuständig auf Gruppenebene zuständig.

Die Rückkehr von Varese als Risikochef ist Teil des massiven Umbaus und Generationswechsels im Vorstand der deutschen Tochter und ein Zeichen, dass es die alte Hypo-Vereinsbank nicht mehr gibt. Als Machtübernahme der Italiener will Varese seine Ernennung jedoch nicht sehen. "Wir haben mehr Deutsche, die in Mailand arbeiten, als Italiener in München", betont er.

Seinen Wohnort braucht der Italiener nicht zu wechseln, da auch das Investment-Banking der Unicredit in München angesiedelt war. Eine Stadt, die Varese sehr zu schätzen weiß und die ihn an seine Heimatstadt Turin erinnert: "Wenn ich aus dem Fenster schaue kann ich die Berge sehen."

Zunächst beschränkte sich Vareses Karriere eher auf die Region. Erst nach seinem 35. Geburtstag wurde er zum europäischen Globetrotter. Nach dem Wirtschaftsstudium in seiner Heimatstadt heuerte er zunächst bei dem Versicherer SAI an, um ein Jahr später zum Autobauer Fiat zu wechseln, der damals auch im Finanzgeschäft aktiv war. Zuletzt war er dort Leiter Kapitalmärkte der Fiat-Tochter Geva, bevor er im Jahr 2001 zu Unicredits Bank Pekao wechselte.

In seinem Büro hängen an der Wand noch Bilder aus seiner Zeit in Polen. "Seine Schiffe", sagt Varese über die Fotos: Schiffe, die in der Werft von Stettin gebaut wurden. Er war damals mit für die Verhandlungen der kriselnden Werft verantwortlich und berichtet durchaus stolz über das Ergebnis. "Die Bank hat ihr Geld bekommen und wir konnten Tausende von Arbeitsplätzen retten".

Es war für Varese eine der Gelegenheiten, seine Industrie-Erfahrung einzubringen. Für die Mischung aus Finanz und Industrie kann sich der Manager begeistern, obwohl ihn seine Mitarbeiter eher als ruhig und sachlich beschreiben. Ob er eines Tages in die Industrie zurückkehren könnte? "Man soll niemals nie sagen", sagt er und scherzt: "Aber das ist in absehbarer Zeit sehr unwahrscheinlich - jetzt, wo Fiat Opel nicht übernehmen durfte".

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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