Generationswechsel
Unternehmer auf dem Sprung

Bernt Schroer, seit 40 Jahren Geschäftsführer von Federn Brand und 20 Jahre Vorsitzender des Fachverbands, arbeitet am Generationswechsel. Doch er kann nur schwer von den Federn lassen. Die Geschichte eines Urgesteins der Branche.

KÖLN. Vielleicht wäre das Leben von Bernt Schroer anders verlaufen, wenn er seinen Vater damals nicht zur Jagd begleitet hätte. Aber an diesem Tag im Jahr 1955, Schroer war 19 Jahre alt, entschied sich seine persönliche und berufliche Zukunft. Er lernte seine zukünftige Frau kennen - gleichzeitig die Tochter seines zukünftigen Arbeitgebers. Für den arbeitet er noch heute: Der 70-jährige ist seit 1962 Geschäftsführer von "Federn Brand".

Schroer, das älteste von insgesamt elf Kindern, läuft auf besagtem Jagdausflug der Tochter von Wilhelm Brand über den Weg, der seit 1922 eine kleine Federnfabrik in Lippstadt führt. Später absolvierte Schroer diverse Praktika bei Brand. "In den samten Semesterferien", wie er heute betont.

Er studierte Volks- und Betriebswirtschaft in Köln, Innsbruck und München - und zwar fleißig: Im Alter von 25 hatte er bereits einen Doktortitel in der Tasche. Als er im August 1962 promovierte, wusste Schroer dann bereits recht genau, wohin die Reise gehen sollte. Er lehnte "sehr attraktive" Job-Angebote ab und ging in die Provinz zu Brand: "Ich war berufsfähig zur Übernahme der Geschäftsführung", urteilt Schroer im Rückblick. Er ist kein Mann, der schöne Worte macht.

Der wichtigste Grund für Schroer, zu dem kleinen Familienunternehmen zu gehen, sei dieser "sehr große Entscheidungsspielraum" gewesen. Bei so vielen jüngeren Geschwistern ist man es wohl gewohnt, früh Verantwortung zu übernehmen, sein Chef Wilhelm Brand hatte jedenfalls genug Vertrauen in den damals gerade 25-Jährigen - so viel, dass er "vereinbarungsgemäß" in den Ruhestand ging, wie Schroer den Generationswechsel beschreibt.

Was in den nächsten vier Jahrzehnten folgte, kann man als Erfolgsgeschichte bezeichnen: Schroer sorgte für die rasche Expansion des Unternehmens und gründete eine zweite Betriebsstätte in der Nähe von Lippstadt. 1972 verlegte er das Unternehmen ins sauerländische Anröchte - dort war ausreichend Fläche für den Ausbau vorhanden. 1984 gründete er in Lüdenscheid das "Märkische Federnwerk", nachdem er es von der Berg Gruppe gekauft hatte. Und auch ins Ausland expandierte er: Seit 1990 ist Federn Brand in England vertreten, 1996 baute er mit der Firma Sata eine Niederlassung im Elsass auf. Im Jahr 2000 baute das Unternehmen einen neuen Hauptsitz in Anröchte. Seit 2003 firmieren alle Unternehmenszweige unter der Marke "Brand Group".

Seine Leidenschaft für Federn brachte er auch in Ehrenämter ein: Von 1983 bis 2001 war er Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Deutschen Federnindustrie, heute ist er dort Ehrenmitglied. Seit 1986 war er Mitglied der Führungsetage des Wirtschaftsverbandes Stahl und Metallverarbeitung, von diesem Posten trat er im Juli dieses Jahres zurück. Auch auf europäischer Ebene engagierte er sich: Seit 1986 half er mit, einen europäischen Federnfachverband zu gründen und fungierte von 1990 bis 1992 als Präsident der European Spring Federation.

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