Genossenschaftsbanken
DZ-Bank-Vize geht im Streit

Offiziell verbreitet die DZ Bank die Mär von der Trennung im besten Einvernehmen, in Wahrheit scheidet der stellvertretende Vorstandschef Heinz Hilgert im Streit aus dem genossenschaftlichen Institut aus. Er konnte offenbar nicht verwinden, dass er das Rennen um den Chefsessel verloren hatte.

hgn/HB FRANKFURT. DZ-Bank-Vize Heinz Hilgert verlässt Finanzkreisen zufolge nach Meinungsverschiedenheiten im Vorstand das genossenschaftliche Spitzeninstitut. „Da hat es kräftig gekracht am Ende“, sagte ein Insider gestern. Der 54-jährige Hilgert habe sich mehrfach gegen Bankchef Wolfgang Kirsch gestellt, dem er im Rennen um den Chefsessel unterlegen war. Mit der Situation Vertraute sprachen übereinstimmend von strategischen Differenzen. Kirsch habe nach Hilgerts Auffassung mehrfach politische Motive über das wirtschaftliche Interesse der Bank gestellt, sagte eine Person. So seien bei den geplatzten Fusionsverhandlungen zwischen der DZ-Bank-Tochter DG Hyp und der Münchener Hypothekenbank (MHB) zu weitgehende Zugeständnisse gemacht worden. Ein Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise bestehe nicht.

Der für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Hilgert war nicht zu erreichen. Die DZ Bank dankte ihm in einer knappen Pressemitteilung für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ der vergangenen elf Jahre. Hilgert werde den Vorstand noch im Oktober in „bestem Einvernehmen“ verlassen. Über die Nachfolge werde der Aufsichtsrat kurzfristig entscheiden. Gründe für das überraschende Ausscheiden wurden nicht genannt.

Hilgert war erst im Februar zum Vize ernannt worden, nachdem er dem Vorstand seit 2001 angehörte. Kirsch habe so versucht, den aus Lemgo stammenden Wirtschaftswissenschaftler einzubinden, hieß es. Allerdings habe sich Hilgert weiter quer zu Gremienbeschlüssen gestellt. „Kirsch lässt Dinge sicherlich manchmal lange laufen“, sagte ein Genosse. „Aber jetzt war das Maß offenbar voll.“

Der als durchsetzungsfähig geltende Hilgert hat seine Karriere bei der Chase Manhattan Bank begonnen. Später wechselte er in das Investmentbanking von Trinkaus & Burkhardt und ging von dort zu Sal. Oppenheim. Gut zehn Jahren später verabschiedete er sich dann ins genossenschaftliche Lager und arbeitete unter anderem an der Fusion von SGZ-Bank und GZB-Bank zur GZ-Bank mit. Diese verschmolz im Anschluss mit der DG Bank zur DZ Bank.

Die Querelen kommen für Kirsch zur Unzeit. Der ehemalige Deutsch-Banker will den genossenschaftlichen Sektor behutsam auf mehr Effizienz trimmen. Seine Versuche, die Konsolidierung voranzutreiben, sind bislang jedoch gescheitert. So platzte Ende vergangenen Jahres zum dritten Mal die geplante Fusion der DZ mit der Düsseldorfer WGZ Bank. Und erst vor wenigen Tagen scheiterte die Verschmelzung der genossenschaftlichen Immobilienfinanzierer MHB und DG Hyp.

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