Gent tritt ab
Die alte Garde zieht den Kürzeren

Mit bitteren Worten ist Chris Gent vom Amt des Ehrenpräsidenten bei Vodafone abgetreten, das ihm der weltgrößte Mobilfunkkonzern in Würdigung seiner Leistung auf Lebenszeit verliehen hatte. Chairman Lord MacLaurin bekennt sich im gleichen Moment zu Vodafone-Chef Sarin.

HB LONDON. Bittere Worte begleiten den Abgang von Sir Christopher Gent. In seiner Zeit als Chef von Vodafone seien die Beziehungen im Unternehmen von Offenheit und Vertrauen geprägt gewesen, schrieb er seinem Nachfolger Arun Sarin ins Stammbuch. Damals sei der Konzern frei von Politik und einer Kultur der Beschuldigungen gewesen. Doch nun trete er ab, um nicht Gegenstand einer Desinformationskampagne zur Manipulation der Presse zu werden.

Gent gehörte zwar nicht zum Board, konnte aber beratend Einfluss nehmen. Gent wehrte sich gegen Berichte in der Presse, wonach er vergeblich versucht habe, gegen den Willen des von ihm selbst erkorenen Nachfolgers einen Finanzchef sowie ein weiteres Board-Mitglied durchzusetzen. „Wenn es eine Flüsterkampagne oder Verschwörung gegeben hat, was ich sehr bezweifle, war ich nicht Teil davon“, stellte er klar.

Gent hat Vodafone, ein Unternehmen aus der südenglischen Provinz, in den neunziger Jahren durch Übernahmen zum Weltmarktführer im boomenden Mobilfunkgeschäft geformt. Höhepunkt war der Erwerb von Mannesmann für mehr als 100 Milliarden Pfund. Auf diese Zukäufe musste Sarin jetzt mindestens 23 Milliarden Pfund (34 Milliarden Euro) abschreiben.

Gleichzeitig zu Gents Abgang bekundete der Chairman Lord MacLaurin, der schon zu Gents Zeiten dem Board vorsaß, seine Solidarität mit Sarin. In einer knappen Stellungnahme betonte der ehemalige Chef der Supermarktkette Tesco, dass das Board geschlossen hinter dem amtierenden Vodafone-Chef stehe.

MacLaurin hat übereinstimmenden britischen Presseberichten zufolge vor der Boardsitzung vor zwei Wochen versucht, im Board und bei Großaktionären Unterstützer für eine Ablösung Sarins zu finden. Das sei ihm aber nicht ausreichend gelungen, womit das Thema nicht auf die Tagesordnung gekommen sei.

Dennoch hat Sarin nach der Sitzung den Kurs gewechselt. Erst gab er die Wertberichtigung auf die Töchter in Deutschland, Italien und Japan bekannt, dann den geplanten Verkauf der japanischen Tochter. Und in der vergangenen Woche musste mit Marketingchef Peter Bamford ein Vorstand von Gents alter Garde gehen, der schon bei Tesco für MacLaurin gearbeitet hatte. MacLaurin selbst wird im Juli abtreten.

Sarin habe sich nun von der alten Garde befreit und müsse zeigen, wohin er den Konzern führen wolle, sagten Analysten. Zu allem Überfluss machten gestern Gerüchte die Runde, dass Finanzinvestoren Vodafone attackieren wollten.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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